Kino-Kritik: Marie Antoinette: Brot und Kuchen
zuletzt aktualisiert: 30.10.2006 - 14:39Düsseldorf (RPO). Ihr Name steht für Verschwendungssucht und Fatalismus: Marie Antoinette, die in Wien geborene Gattin König Ludwigs XVI. Sofia Coppola erzählt die Geschichte eines jungen, naiven Mädchens, das sich längst vor ihrem tragischen Tod unter der Guillotine während der Französischen Revolution verloren hatte.
Schönheit, Reichtum, Luxus, Stil: Ihre Königin, der Kirsten Dunst den kindlichen Charme einer 14-Jährigen verleiht, flieht vor den Erwartungen des Hofes und aus der Isolation des verwunschenen Versailles in pubertäre Träume aus Rosen und "Rock'n'Roll". Dabei gerät die Bilderflut zum Gleichnis einer Gedankenwelt, die bis zuletzt dem schönen Schein huldigt.
Mit einer sinnlichen Bilderflut aus Farben und Stoffen, Licht und Schatten, Musik und Müßiggang zieht Coppola die Zuschauer in die Welt der Marie Antoinette. Sie lässt die Betrachter teilhaben an Maries Übertritt vom entspannten Leben am Wiener Hof in die stilisierte Welt des französischen Hochadels. Dabei verspricht die neue Welt das, was sich reiche Mädchen wünschen: Tolle Kleider, teuren Schmuck, schöne Männer, Luxus pur.
"Die Bonbon-Farben des Films, seine Atmosphäre und die Teenager-Musik reflektieren und sind dazu gedacht zu zeigen, wie ich diese Welt aus Marie Antoinettes Perspektive gesehen habe", erklärt Coppola ihre Herangehensweise. Sie muss es wissen. Sie hat selbst die Welt "aus Seide und Bonbons" erlebt, leitete in Japan das Mode-Unternehmen MilkFed und soll bereits in der Schule Klamotten von Chanel getragen habe.
Die Stille vor dem Sturm
Nun also schickt sie Marie Antoinette auf den Laufsteg des abgeschiedenen Versailles, dessen Gärten in der Stille vor dem Sturm liegen, während sich die höfische Gesellschaft die Zeit lustvoll oder lästernd vertreibt. Mit schnellen Schnitten, Popmusik und einer in Teilen an der Werbeästhetik orientieren Kameraführung entsteht eine eigene Welt zwischen Spaß und Verzweiflung, in der die Protagonistin als Akteurin und Opfer gleichermaßen erscheint - ein Merkmal von Jugendkultur überhaupt.
Der Blick, den Coppola mit ihrem jüngsten Werk auf eine der großen Figuren der französischen Geschichte lenkt, mag der historischen Analyse nicht standhalten. Das Gleichnis für die Tragik der Jugend, mit der sich die Regisseurin bereits in "The Virgin Suicides" und selbst in "Lost in Translation" auseinandersetzte, taucht in "Marie Antoinette" erneut auf - in einer fulminanten Inszenierung, die Oppulenz, Ästhetik und Stil als verzweifelten Versuch entlarven, in den vorgegebenen Grenzen einen Halt zu finden.
Höfische Intrigen
Vor allem Dunsts schauspielerischer Ambivalenz ist es zu verdanken, dass neben aller Lust am Leichten stets die Tristesse des kommenden Todes über den Gärten Versailles mitschwingt. An ihrer Seite spielt Jason Schwartzman überzeugend den jungen König, der nur zögerlich aus der Kindheit erwacht. Asia Argento wirkt als Madame du Barry mit, die trotz erfolgreicher Gehversuche am Ende doch auf dem Glatteis der höfischen Intrige ausrutscht.
Autorin Antonia Fraser, die für den Film die biografische Vorlage lieferte, schwärmte: "Ich liebe den Look des Films". Coppola sei etwas gelungen, was sie im Buch nicht habe schaffen können: Die Schönheit von Versailles und die Anmut der Königin wirklich zum Leben zu erwecken. Coppola hat das definitiv geschafft.
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