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"Mein Ein, mein Alles"
Radikales französisches Liebesdrama "Mein Ein, mein Alles"

"Mein Ein, mein Alles": Radikales französisches Liebesdrama im Kino
FOTO: dpa, ske
Die Schmerzen sind unerträglich. Nicht nur die, die Tony bei ihren Dehnübungen in der Rehaklinik quälen. Die Rechtsanwältin muss nach einem Kniesehnenriss, den sie sich bei einem Skiunfall zugezogen hat, wieder das Laufen lernen. Und das tut mindestens so weh, wie die Erinnerungen an ihre desaströse Beziehung. Während ihrer mehrwöchigen Genesung lässt sie ihr Leben mit Georgio Revue passieren. Von Sabine Glaubitz

"Mein Ein, Mein Alles" der französischen Regisseurin Maïwenn handelt von der "Amour fou", einer Liebe, die berauscht, unvernünftig und unkontrollierbar ist. Als eine Liebesbeziehung, die aufgrund ihrer Intensität als unnormal empfunden wird und wegen der Gegensätzlichkeit der Verliebten als aussichtslos gilt. Die "Amour fou" hat schon viele Filmemacher fasziniert. Nun hat Maïwenn sie in ihrem Drama, das 2015 in Cannes Weltpremiere feierte, mit ihrer für sie typischen narrativen Kraft umgesetzt: radikal, explosionsartig, streckenweise aber auch zu überzogen.

Tony ist eine Rechtsanwältin um die Vierzig, Georgio ein gut aussehender Draufgänger, der dickes Geld als Restaurantbesitzer macht. Ihre Geschichte beginnt in einem Pariser Nachtclub. Tony ist von Georgio fasziniert, den die Frauen umschwärmen. Zwischen beiden funkt es lichterloh. Man liebt sich in der Küche von Georgios Restaurant, macht den Tag zur Nacht, sieht die Welt durch die rosarote Brille und lacht über alles und nichts.

Die Bürgerliche liebt einen Bad Boy und Rebellen. "Gegensätze ziehen sich an. Doch längerfristig ist eine solche Beziehung zum Scheitern verurteilt", erklärte Maïwenn. In ihrem Film hat die "Amour fou" zehn Jahre gedauert - mit allen Ingredienzen: einer Hochzeit, einem Kind, das man auf den Namen Sinbad tauft, Weinkrämpfen und hysterischen Anfällen. Georgios verrücktes Leben, seine Drogenpartys und seine selbstmordgefährdete Ex-Freundin, um die er sich weiter kümmert, stürzen Tony in Depressionen. Was sie einst liebte und faszinierte, macht sie nun krank.

Bei der Besetzung bewies Maïwenn, die 2011 für "Poliezei" in Cannes den Preis der Jury erhielt, eine glückliche Hand. Vincent Cassel ("Black Swan") spielt hervorragend den Verführer. Und Emmanuelle Bercot ("Zwischen den Wellen") als verzweifelte Tony, erhielt die Cannes-Auszeichnung als beste Schauspielerin. Auch wenn manche Szenen überspitzt wirken, hat die 39-jährige Maïwenn mit "Mein Ein, Mein Alles" ein kraftvolles Drama um die Macht der Gefühle gezeichnet.

Mein Ein, mein Alles, Frankreich 2015 - Regie: Maïwenn mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel 126 Min.

(dpa)
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