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Action-Thriller "Auftrag Rache"
Mel Gibsons fragwürdiges Comeback

Mel Gibson in "Auftrag Rache"
Mel Gibson in "Auftrag Rache" FOTO: Central Film
Frankfurt/Main (RPO). Acht Jahre ließ sich Mel Gibson nicht auf der Kino-Leinwand sehen. Für Schlagzeilen sorgte er vor allem durch Alkoholfahrten und antisemitische Beleidigungen. Das Image des einstigen Action-Stars hat extrem gelitten. Nun ist der 54-Jährige in "Auftrag Rache" wieder als Hauptdarsteller im Kino zu sehen.

Düsterer kann ein Film kaum beginnen als mit drei Leichen, die auf der Oberfläche eines nächtlichen Sees treiben. Was es mit den Toten auf sich hat, erfährt der Zuschauer erst am Schluss des amerikanischen Action-Thrillers, der nun in den Kinos zu sehen ist. Das Ereignis dieser weder sonderlich originellen noch sonderlich aufregenden Filmproduktion ist die Mitwirkung von Superstar Mel Gibson, der nach achtjähriger Pause auf die Leinwand zurückkehrt.

Gibsons Karriere hatte durch einen Zwischenfall 2006 schwer gelitten. Er hatte betrunken Polizisten beleidigt, die ihn mit seinem Auto stoppten. Der Schauspieler betrachtet sich als Opfer einer andauernden Hetzkampagne. "Irgendwer da draußen will immer meinen Kopf", sagte der 54-Jährige der "Süddeutschen Zeitung".

Gerade Hollywood liebe es, ihn als konservativen Republikaner zum Feindbild zu stilisieren. Allmählich sei er es auch leid, sich immer noch für seine antisemitischen Ausfälle gegenüber einem Polizisten entschuldigen zu müssen. Er schieße halt "die unsinnigsten Knaller immer dann ab, wenn ich richtig vollgetankt habe". Seine Aussagen seien jedoch übertrieben worden.

Neue Rolle als altgedienter Polizist

In seinem neuen Film spielt Gibson den altgedienten Bostoner Polizeiinspektor Thomas Craven. Der hat nicht nur seine geliebte Frau verloren, sondern muss auch noch miterleben, wie seine 24-jährige Tochter Emma vor der Haustür von Unbekannten erschossen wird. Viel spricht dafür, dass der tödliche Anschlag nicht Emma, sondern Craven selbst gegolten hat.

Doch der Polizist ist zu lange Mitglied der Mordkommission, um zu ignorieren, im welch merkwürdig desolatem Gesundheitszustand sich die junge Frau beim Besuch ihres Vaters befunden hatte. Und deshalb nimmt der Verdacht schöpfende Craven eine Spur auf, die ihn schließlich zu den Hintermännern der Bluttat führen wird.

Mit seinem neuen Film kehrt Gibson zurück zu den Wurzeln seines Weltruhms: Dieser begann vor nunmehr 30 Jahren mit der Titelrolle in der australischen Produktion "Mad Max". Darin spielte der in den USA geborene, in Australien aufgewachsene Schauspieler einen Polizisten, der unter apokalyptischen Umständen einen gnadenlosen Rachefeldzug startet. Gibson hat diese beim Publikum sehr populär Figur in zwei weiteren "Mad Max"-Folgen verkörpert, es wurde sein Sprungbrett in die Hollywood-Karriere. Diese hat der kantige Machotyp und konservative Katholik bekanntlich 2004 mit dem alle Erwartungen übertreffenden Erfolg seines Films "Die Passion Christi" gekrönt.

Ray Winstones sehenswerter Auftritt

In seinem Comeback nach langer, auch von privaten Problemen bedingter Pause geht es weniger christlich als alttestamentarisch zu: Auge um Auge, Zahn und Zahn. Mit dem aus Neuseeland stammenden Martin Campbell, der zwei herausragende "James Bond"-Filme 995 und 2006 inszeniert hat, verfügt der Film über einen Regisseur, der ein sicheres Gespür für Aktion und Spannung besitzt. Leider lässt die Qualität des Drehbuchs zu wünschen übrig, denn die Dämonisierung einer Nuklearfabrik, in der Emma ebenso wie ihr Freund David tätig war, ist ein abgedroschener Einfall.

Der Chef des geheimnisvollen Unternehmens ist natürlich ein aalglatter Typ namens Jack Bennett. Akzeptabel gespielt wird dieser Klischee-Fiesling von Danny Huston, dem Sohn des legendären Regisseurs John Huston. Eine wesentlich interessantere Figur als Bennett ist jedoch der undurchsichtige Regierungsagent Darius Jedburgh. Welche Rolle er in dem Geschehen wirklich hat, ist noch die spannendste Frage des Films.

Jedburgh wird von dem massigen britischen Charakterdarsteller Ray Winstone verkörpert, einem ehemaligen Profiboxer, der eine beeindruckende Präsenz auf der Leinwand hat und für die ganz wenigen ironischen Momente in dem ansonsten humorfreien Spektakel sorgt. An der fragwürdigen Botschaft des Films, dass Selbstjustiz keine Sünde ist, wenn ein Vater die ermordete Tochter rächt, ändert allerdings auch der sehenswerte Auftritt von Winstone nichts.

(apd/top)
 
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