Kino-Kritik: Mieser Tollpatsch-Witz
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 13.11.2008 - 07:52Düsseldorf (RP). Lebenshilfe muss nicht immer kuschelig und verständnisschnurrend sein. Zynische, knallharte Analysen und kalte Ratschläge tun es auch. Nach diesem Motto gibt jedenfalls die von Uma Thurman gespielte Frau Doktor Lloyd in „Zufällig verheiratet“ Beziehungshilfe in einer Radioshow.
Dass dem Regisseur Griffin Dunne und gleich einem Trio von Drehbuchdebütantinnen nicht recht klar ist, ob sie das nun als rüde Kaltschnäuzigkeit oder als deplatzierte Aufrichtigkeit gestalten sollen, ist eines der kleinsten Probleme dieser völlig missratenen Mischung aus Zuckerwattebausch und Essigschwämmchen.
Emma Lloyd hat mit ihren Ratschlägen die Beziehung des Feuerwehrmanns Patrick (Jeffrey Dean Morgan) gekillt. Nun rächt sich Patrick. Er gibt sich mittels gefälschter Unterlagen als Emmas rechtmäßig Angetrauter aus, um deren Beziehung zu Richard (Colin Firth) zu ruinieren.
Das ist arg konstruiert, aber Howard Hawks hätte daraus vor 70 Jahren eine wunderbare Komödie gemacht. Griffin Dunne merkt man an, dass sie Filme wie „Leoparden küsst man nicht“ (1938) als fernes Vorbild haben, aber wo dort die Witze in kleinen Wirbelstürmen um die Figuren herumfliegen, fällt hier ein Gagversuch nach dem anderen erbärmlich ungelenk die Treppe hinunter.
Dunne, eigentlich Schauspieler, war noch nie ein guter Regisseur. Seine Filme leiden alle an einem unscharfen Blick auf eine strukturarme Kitschwelt. In „Zufällig verheiratet“ aber sieht man die Darsteller vor der Kamera leiden. Firth versucht, sich innerlich anderswohin zu meditieren. Thurman müht sich tapfer, ein muffiges Tolpatschkonzept umzusetzen, wirkt aber wie ein Tier in der Falle.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






