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tropic thunder UNIVERSAL 2008-0918 panorama
  Foto: Universal
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Kino-Kritik: Militärklamauk mit Ben Stiller

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 - 09:54

Düsseldorf (RP). Da lärmen wieder die Kampfhubschrauber über dem Dschungel wie in Coppolas „Apocalypse Now“, und jedes Mal, wenn die Handlung ins Stocken kommt, ist umso mehr „Action“ angesagt – mit Feuer-Kaskaden und Rauchpilzen in den Wäldern. Ben Stiller, der Produzent, Regisseur, Drehbuch-Koautor und Star, vergisst manchmal seine Spottlust vor lauter Ehrgeiz, Hollywoods (Vietnam-)Kriegsfilme nicht nur zu persiflieren, sondern auch noch mit Gruseleffekten zu übertrumpfen.

Dabei eröffnet dieser „Tropic Thunder“, dieser Tropen-Donner, seine Parodie einer Kriegsfilm-Produktion mit einem erheiternd treffsicheren Reigen von Star-Karikaturen. Sie werden zum Auftakt mit bombastischer Werbung für ihre angeblich demnächst ins Kino kommenden Filme charakterisiert: von Ben Stiller selbst als Actionheld Tugg Speedman, der mit finster dräuendem „Rambo“-Blick seinen schweren Schießprügel schultert, über einen schwarzen Komiker, der in einem plumpen Lustspiel à la Eddie Murphy ein halbes Dutzend Rollen gleichzeitig spielt, bis zu einem Rapper, der nach vielen peinlich sexistischen Videos auch mal als ernsthafter Schauspieler glänzen will.

Info

Hollywoods Hollywood

Charlie Chaplin gehörte zu den ersten Hollywood-Regisseuren, die Filme über das Filmemachen drehten. Billy Wilders „Boulevard der Dämmerung“ (1950) und Robert Altmans „The Player“ (1992) sind Klassiker dieser Gattung.

Höhepunkt dieser Versammlung eitler Stars, die mit großem Tross zu ihrem Dschungelkrieg-Abenteuer anreisen, wird der Auftritt eines blonden Australiers namens Lazarus, der sich so unverschämt aufführt wie Russell Crowe, Hollywoods derzeit höchstbezahlter australischer Grobian, und mit seinem Verwandlungs-Ehrgeiz selbst Robert De Niro übertrumpft. Er besteht darauf, eine Sergeant-Rolle als Afro-Amerikaner zu spielen, und hat sich dafür nicht einfach schwarz angemalt, sondern seine Haut durch eine „Pigment-Vermehrungs“- Operation schwärzen lassen.

Damit diese im amerikanischen Show-Geschäft seit „Jazz- Singer“-Tagen als besonders rassistisch gebrandmarkte „Blackface“- Kasperei in ihrer Peinlichkeit spürbar bleibt, hänselt ihn der schwarze Rapper für seinen Eifer, in Sprechstil und Gesten einen „coolen“ Afro-Amerikaner zu kopieren.

Robert Downey Jr. verkörpert diesen falschen Schwarzen so schön ironisch wie zuletzt den Comic- Helden „Iron Man“. Einen „Blackface“-Skandal gab es nicht, aber lautstarke Protestaktionen gegen den rüden Spott, mit dem der Film über den Ehrgeiz von Hollywood- Kollegen herfällt, mit der Darstellung geistig Behinderter à la „Rain Man“ oder „Forrest Gump“ um einen „Oscar“ zu buhlen.

Nick Nolte begleitet den Tross als „Berater“, weil auf seinen Vietnam- Memoiren angeblich das Drehbuch zum Film-im-Film basiert. Aus dem fernen Hollywood droht ein unentwegt brüllender Produzent mit dem Abbruch der zu teuer geratenen Dreharbeiten. Dass sich hinter der Maske dieses kahlköpfigen, tobsüchtigen Dickwansts ausgerechnet Tom Cruise verbirgt, ist ein hübscher Gag bei dieser Figur, die in der Gattung der Hollywoodfilme über die Produktion von Hollywoodfilmen schier unvermeidlich ist.

Und wie üblich holt auch hier die Wirklichkeit die Filmfiktion ein: Die Stars, zu weiteren Dreharbeiten ganz ohne Tross tief in den Dschungel verfrachtet, merken lange nicht, dass sie nicht mehr mit Platzpatronen beschossen werden, sondern in einen echten Krieg mit Heroinschmugglern geraten sind. Ein ohnehin überforderter Regisseur wird von einer Mine zerfetzt, und das kindisch ungerührte Staunen, mit dem die Schauspieler auf herabregnende Körperteile reagieren, macht die Farce zum Horror.

Gedreht wurde dieser asiatische Dschungelkrieg in einem touristisch gut erschlossenen Regenwald auf Hawaii. Dort gab es genug Straßen für die Kolonnen schwerer Trucks mit Kameras, Garderoben und Feuerwerkskörpern. Ben Stiller scheute keinen Aufwand, um ebenso pompös zu inszenieren wie die verspotteten Kriegsfilme. Die Produktionskosten von fast hundert Millionen Dollar wurden in den USA schnell eingespielt.

Als Farce auf die verebbte Welle von Vietnam-Kriegsfilmen kommt dieser Tropendonner reichlich spät. Doch als Warnung vor vielerlei Kriegshelden-Klischees kommt er früh genug – vor der nächsten Flut von Kriegsfilmen, die nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak und Afghanistan erst richtig losbrechen wird – so unvermeidlich wie damals nach Vietnam.


 
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