Satirisches verträgt sich nicht mit Liebesgeschichte: Militärkomödie "Army Go Home!"
zuletzt aktualisiert: 28.10.2002 - 12:24Frankfurt/Main (rpo). Ein Panzer verwüstet ganz nebenbei eine Marktplatz und sprengt anschließend eine Tankstelle in die Luft. Das ist der Stoff, aus dem die Militärkomödie "Army Go Home!" gemacht ist. Mit dabei: Joaquin Phoenix und Ed Harris.
Der Kalte Krieg ist 1989 gerade rechtzeitig beendet worden. Ein paar Jahre mehr, und die amerikanische Armee hätte womöglich ein Manöver etwas zu weit nach Osten verlegt und dabei den Dritten Weltkrieg angezettelt. Aus diesem Stoff ist die deutsch-britisch-amerikanische Koproduktion "Buffalo Soldiers", der der deutsche Verleih wohl mit einer kleinen Spekulation auf aktuelle antiamerikanische Ressentiments den Titel "Army Go Home!" gegeben hat.
Aber halt, es ist ja alles satirisch gemeint in diesem am 31. Oktober anlaufenden Kinofilm. Denn gar so ungestüm sind die GIs natürlich nicht durch deutsche Lande gerollt. Im Film wird von einem Panzer so nebenbei ein Marktplatz verwüstet, ein VW-Käfer, natürlich mit Anarcho-Bemalung, überrollt und schließlich gar eine Tankstelle in die Luft gejagt. Die Verteidiger der Freiheit werden zu einer echten Gefahr für die Bevölkerung, die von ihnen eigentlich beschützt werden soll. Was in dem Land, in dem sie sich befinden, vorgeht, wird von den amerikanischen Soldaten überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.
Im Fernsehen jubeln die Menschen vor und auf der Berliner Mauer und fallen sich in die Arme, doch in der US-Kaserne verharren alle in ihrem Militärtrott und schlagen die Zeit tot - allen voran Ray Elwood (Joaquin Phoenix), der mit krummen Geschäften seinen Lebensstandard verbessert. Ray Elwood hat als Assistent des gutmütigen, leicht vertrottelten Commanders Berman (Ed Harris) leichtes Spiel, immer etwas Armeematerial für den deutschen Schwarzmarkt abzuzweigen, eine Küche zur Crack-Herstellung zu betreiben oder im schlimmsten Fall gefährliche Waffen an interessierte islamistisch Kreise zu verhökern.
Mit der Moral geht es also bei den Amis gefährlich bergab, und Ray ist immer an vorderster Front dabei. Ein bisschen "M*A*S*H", etwas "Catch 22": Die Vorbilder sind unverkennbar, doch so richtig schafft es der australische Regisseur Gregor Jordan nicht, den Ton einer schwarzen Komödie zu treffen. Das liegt wohl an der Liebesgeschichte, die der Film, der nach einer Romanvorlage entstanden ist, auch erzählen will. Zwischen Ray und der attraktiven Robyn (Anna Paquin), der Tochter des neuen Commanders Lee (Scott Glenn), kommt es zu zärtlichen Annäherungen.
Commander Lee ist allerdings geschickt worden, um für Ordnung zu sorgen, und er erkennt auch sofort in Ray den Hauptstörenfried. Obendrein ist Lee in seiner Rolle als Vater die verkörperte Eifersucht, wenn es um seine hübsche Tochter geht. Die Liebesgeschichte nimmt der Film ernst, die Zustände in der Armee versucht er zu karikieren. Dass der größte Saubermann am Ende gar der verkommenste Schurke ist, gehört zu den beliebten Klischees, auf die das Kino heutzutage anscheinend nicht verzichten will. Für eine bitterböse Satire genügt das allerdings nicht.
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