Beachtliches Melodram: Minenfeld Pubertät: "Große Mädchen weinen nicht"
zuletzt aktualisiert: 21.10.2002 - 10:30Frankfurt/Main (rpo). Der Filmtitel klingt zwar albern, aber der deutsche Film "Große Mädchen weinen nicht" ist eine positive Überraschung im Sumpf des Teeniefilmgenres. Auch wenn der Anfang schlimmes befürchten lässt: zwei Mädels gucken heimlich den Jungs im Sportunterricht beim Duschen zu.
Wer jedoch jetzt die weibliche Retourkutsche für "Harte Jungs" mit Zoten und Fäkalwitzen erwartet, wird angenehm enttäuscht.
Noch sind die Scherze harmlos, die sich Steffi und Kati erlauben, zwei 17-jährige Berliner Schülerinnen, die wie Kletten aneinander hängen. Ihre Freundschaft ist ein Schutzschild, durch den weder Probleme mit Eltern, Lehrern noch Jungs dringen, und es gibt keinen Kummer, der sich nicht beim gemeinsamen Durchhecheln lösen ließe.
Diese heile Welt zerbricht, als die beiden kichernden Teenager von zwei neuen Bekannten in einen coolen Club mitgenommen werden und Steffis Vater beim Knutschen mit einer anderen Frau als ihrer Mutter erwischen. Die hübsche, rothaarige Steffi, die bisher die Glücklichere des Duos zu sein schien und deren Vorzeigeeltern ebenso liberal wie schick sind, ist außer sich vor Wut. Zusammen mit Kati macht sie sich an die gleichaltrige Tochter der Geliebten heran: Tessa soll für ihre Mutter büßen.
Die beiden laden das strebsam-zielbewusste Ostberliner Mädchen, das Sängerin werden will, zu einem Vorsingen bei Steffis Freund Carlos ein, der eine Band hat. Die erhoffte Blamage verkehrt sich ins Gegenteil: Carlos ist sowohl von Tessas Stimme wie von ihrer Person angetan. Steffi, die ein doppeltes Eigentor geschossen hat, verstrickt sich immer unheilvoller in ihre Rachefantasien und gibt Tessa die Adresse eines angeblichen Musikproduzenten, der jedoch ein Pornofilmer ist. Kati beobachtet die Skrupellosigkeit ihrer Freundin mit zunehmender Befremdung.
Überhaupt hat die süße Blonde, die mit ihren Kurven und ihrem naiven Charme ein klein wenig der Monroe ähnelt, auf Intrigen keinen Bock mehr, seit sie sich in den Fotografen Klaus verliebt hat. Ein Großteil der Gedanken der zwei Mädchen kreist denn auch um das erste Mal, und wie, wann und mit wem es passiert, hat für die Geschichte schwerwiegende Folgen. Eifrige Zuschauerinnen von "Marienhof" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" werden nichts wirklich Neues an der Handlung entdecken, in der auch noch ein Mord geschieht. Und natürlich beschallt die übliche anglophone Teenie-Pop-Rhetorik auch diese weibliche Sturm-und-Drang-Zeit: Besondere Subtilität erwartet man von einem Teenie-Unterhaltungsfilm sowieso nicht.
Dennoch gelingt es Maria von Heland in ihrem Debüt recht gut, reißerisch-kolportagehafte Elemente, die für Spannung sorgen, mit realistischen Betrachtungen über das Minenfeld der Pubertät - und wie man es mit heiler Haut durchquert - zu vereinen. Das ist vor allem das Verdienst ihrer sorgfältigen, das Klischee meist vermeidenden Milieuschilderungen wie im Falle von Katis fanatisch religiöser Mutter, die ihre aufblühende Tochter hysterisch schuriegelt.
Während die Jungs-Rollen eindimensional bleiben, durchlaufen Steffi und Kati eine nachvollziehbare charakterliche Entwicklung: Die verwöhnte Steffi wandelt sich zum Biest und erregt schließlich Mitleid; die stille Kati, die stets ein wenig in ihrem Schatten stand, wird "tough" und verantwortungsbewusst. Anna Maria Mühe und Karoline Herfurth verkörpern dies glaubwürdig und ohne erhobenen Zeigefinger. Bleibt nur zu hoffen, dass der dumpfbackige Titel die Zielgruppe nicht allzu sehr vergrault.
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