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"Serengeti" setzt auf spektakuläre Bilder: Mit dem Gnu per Du

VON JOACHIM HEINZ, KNA - zuletzt aktualisiert: 02.02.2011 - 12:30

Bonn (RPO). Ein halbes Jahrhundert nach Bernhard und Michael Grzimeks ebenso legendärem wie folgenreichem Naturfilm "Serengeti darf nicht sterben" kommt jetzt eine weitere Dokumentation über den riesigen Nationalpark im Nordwesten des ostafrikanischen Staates Tansania in die Kinos. Mit beeindruckenden Tier- und Naturaufnahmen.

Auf einmal geht alles ganz plötzlich. Die Kamera wird eins mit den Tausenden Beinpaaren, die in einem gewaltigen Kraftakt die steile Uferböschung emporklimmen. Wo zunächst einzelne Gnus ihr Glück versuchten, drängt nun eine unübersehbare Menge auf die andere Seite des Flusses. Die Szene spielt sich am Mara River in Kenia ab. Der knapp 400 Kilometer lange Wasserlauf ist eine wichtige Etappe in einem der grandiosesten Naturschauspiele weltweit: der alljährlichen Tierwanderung in der ostafrikanischen Serengeti.

Dem gleichnamigen Nationalpark in Kenia und Tansania ist der Dokumentarfilm "Serengeti" von Reinhard Radke gewidmet, der am Donnerstag in die Kinos kommt. Der renommierte Filmemacher und sein Team geizen dabei nicht mit spektakulärem Bildmaterial.

Faszination der Tierwelt

Schließlich beruft man sich auf einen Klassiker, der vor mehr als 50 Jahren Maßstäbe für das gesamte Genre setzte: "Serengeti darf nicht sterben" von Bernhard Grzimek (1909-1987) und seinem Sohn Michael (1934-1959). Genau wie der oscargekrönte Vorläufer von 1959 setzt auch die aktuelle Produktion auf die Faszination der Tierwelt in dem rund 15.000 Quadratkilometer großen Reservat.

Allein die Ausgangszahlen sind imposant. In den endlos scheinenden Savannengebieten leben rund 1,3 Millionen Gnus, 400.000 Thomson-Gazellen sowie 200.000 Zebras: die größte Ansammlung von Huftieren weltweit. Hinzu kommen alle erdenklichen Arten von Großwild wie Elefanten, Löwen, Flusspferde oder Giraffen. Sie alle sind Teil eines gigantischen Kreislaufs, der durch den Wechsel von Regen- und Trockenzeit bestimmt wird und manche von ihnen Jahr für Jahr über Tausende Kilometer wandern lässt.

2000 Bilder pro Sekunde in bester Kinoqualität

Radke hat sich im wahrsten Sinne des Wortes über zwei Jahre hinweg an die Fersen von Gnu und Co geheftet, um die gefährliche und entbehrungsreiche Suche nach Wasser und Nahrung zu dokumentieren. Zu Hilfe kamen dem promovierten Zoologen, der seit 1983 in Afrika Tiere filmt, neben seiner eigenen Erfahrung die Expertise seiner einheimischen Führer sowie modernste Filmtechnik.

So konnte Radkes Team als eines der ersten eine mobile Kamera benutzen, die 2000 Bilder pro Sekunde in bester Kinoqualität liefert. Die aus solchen Aufnahmen gewonnenen Zeitlupensequenzen gehören zu den Höhepunkten der Produktion.

"Total umgehauen" habe ihn etwa eine Szene am Grumeti-Fluss, erzählt Radke. Dort beobachteten er und seine Mitstreiter eine Gruppe Krokodile, die sich an einem im Wasser liegenden Tierkadaver zu schaffen machte. Erst später beim Sichten des Drehmaterials offenbarte sich eine schier unglaubliche Szene: Ein Wels hatte sich ebenfalls ins Getümmel gestürzt, um einen Brocken zu ergattern. Der gewagte Coup endet für den Mundräuber beinahe im Maul einer der Echsen - bevor der Fisch im letzten Moment doch noch in Sicherheit flutscht.

Opulentes Bilderwerk mit einer Schwäche

Der Kampf ums Überleben vor grandioser Kulisse - wieder und wieder wird er in opulenten Bildern und mit einem hervorragenden Sound-Design im Leinwandformat gezeigt. Das Hecheln der Raubkatze kurz vor der Jagd, die wackeligen ersten Schritte eines neugeborenen Gnus oder der qualvolle Tod von Insekten während eines Buschbrands: All das ist quasi live mitzuerleben.

Irgendwann jeoch dürften die meisten Zuschauer im Kino ihren gröbsten Bilderhunger gestillt haben. Und es bleibt die Frage nach der Zukunft der Serengeti. Wie das Bundesamt für Naturschutz in Bonn und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt als Förderer des Films mitteilen, ist dieses "Paradies auf Erden" auch ein halbes Jahrhundert nach der Kampagne der Grzimeks akut gefährdet: aktuell etwa durch den Bau einer Durchgangsstraße im Norden.

Von solchen Dingen ist in "Serengeti" nichts zu erfahren. Das ist vielleicht die einzige Schwäche des Films, der an dieser Stelle allzu sehr auf die optische Überzeugungskraft der Tierwanderungen vertraut. "Wer diese Bilder sieht", hofft Regisseur Radke, "wird sich auch für den Erhalt der Serengeti stark machen".

"Serengeti" - Deutschland 2010 - Verleih: Universum/WDS - Regie: Reinhard Radke - Sprecher: Hardy Krüger jr. - ab sechs Jahren. Kinostart ist am 3. Februar.

Quelle: KNA

 
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