Thriller "Shutter Island": Mit Scorsese auf die Insel
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 10:10(RP). Dieser Film treibt in die Enge. Nur wenige Sekunden am Anfang steht Leonardo DiCaprio als Polizei-Ermittler Daniels noch an der Reling einer Fähre, blickt auf das raue Meer, atmet Weite. Dann legt das Schiff an einer Gefängnisinsel an, auf der psychisch kranke Schwerverbrecher eingekerkert sind. Der Polizist und sein Kollege sollen eine entlaufene Kindsmörderin aufspüren, doch sind sie ungebetene Gäste. Sofort nimmt man ihnen die Dienstwaffen ab, später werden sie auch Häftlingskleider tragen und immer tiefer in das Labyrinth dunkler Anstaltsgänge geraten, aus denen es kein Zurück gibt.
Mit "Shutter Island" legt Martin Scorsese einen Psychothriller vor, den man raffiniert nennen könnte, hätte ihn der Regie-Altmeister nicht so opulent inszeniert. So aber begegnen den Ermittlern schon auf den ersten Metern zum Anstaltsgebäude schaurige Geisteskranke mit schwulstigen Narben, und auch später gibt es jede Menge wohlbekannter Gruseleffekte mit Menschen, die aus dunklen Ecken springen oder plötzlich durch die Zellengitter greifen oder Ratten, die ganze Felsklippen bevölkern. Dazu ertönt pastose Filmmusik mit schrillen Blechbläsern und unheilkündenden Pauken. Alles scheint zu dick aufgetragen bei diesem Film, als treibe Scorsese die Furcht, seine Zuschauer könnten nicht merken, dass er ihnen Angst einjagen will.
Nun muss man nicht Meister der leisen Töne sein, um großartiges Kino zu machen. Das hat Scorsese oft genug bewiesen mit Filmen wie "Kundun" oder "Gangs of New York". Doch diesmal fügt er auch noch Traum- und Erinnerungssequenzen in die Handlung und überfrachtet sein Werk damit endgültig. Denn in den Träumen lodern ständig verzehrende Flammen, tropft dickes Blut, zerfallen Frauen im Arm ihres Geliebten zu Asche. Und in den Erinnerungen durchlebt Ermittler DiCaprio noch einmal traumatische Szenen aus dem Zweiten Weltkrieg, als er die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau miterlebte und an der Erschießung von SS-Aufsehern beteiligt war. Ohne zwingenden Grund zeigt Scorsese dazu immer wieder Leichenberge aus dem KZ oder ausgemergelte Häftlinge, so werden diese Bilder auf fatale Weise gleichgestellt mit den übrigen Schockeffekten in diesem zu bemühten Gruselwerk.
Dass die Geschichte am Ende schlaue Wendungen nimmt, macht "Shutter Island" immerhin zu einem unterhaltsamen Thriller, ein Meisterwerk ist der Film nicht.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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