Neuverfilmung des Klassikers: "Monte Cristo"
zuletzt aktualisiert: 06.05.2002 - 16:13Hamburg (rpo). Er wurde verraten, verschleppt und eingekerkert - Die Geschichte des Seemanns Edmond Dantes wurde schon oft verfilmt. Jetzt kommt sie wieder ins Kino, als blutleeres Remake.
Vor knapp hundert Jahren wurde Alexandre Dumas Abenteuerroman "Der Graf von Monte-Christo" zum ersten Mal verfilmt. Nach unzähligen Kino- und Fernsehadaptionen ist auch "Robin Hood"- Regisseur Kevin Reynolds dem Reiz dieses Klassikers um Verrat und Rache erlegen. Mit seinem "Monte Cristo" hat er den Stoff allerdings aus der Zeitlosigkeit in die Belanglosigkeit geführt, in leidenschaftsloses Abenteuer- und Ausstattungskino umgesetzt.
Der Geschichte des Edmond Dantès, den eine Intrige seines einstmals besten Freundes unschuldig in den Kerker bringt, ist die wilde, düstere Romantik abhanden gekommen. Es gibt keine Leidenschaft, keine dramatischen Charaktere. Der markanteste unter den Darstellern ist Guy Pearce, der sein Format als Mann ohne Gedächtnis in "Memento" bedauerlicherweise nicht auf nachfolgende Rollen übertragen konnte. In "Monte Cristo" spielt er immerhin den Bösewicht: Den reichen Fernando Mondego, der seinem weniger privilegierten Freund Dantès (Jim Caviezel) nicht nur den beruflichen Aufstieg neidet. Erfolglos rivalisiert er auch um Mercédès (Dagmara Dominczyk), die Geliebte des Freundes.
Der Rest ist Geschichte, wie das martialische Inselgefängnis Chateau dIf und der Abbé Faria. Richard Harris ist nicht nur mit einem Schatz des Wissens, sondern auch mit einem Goldschatz versorgt. So gerüstet kann der nach seiner Flucht aus dem Felsenverlies als mysteriöser Graf von Monte Christo seinen Rachefeldzug antreten und das Leben Mondegos zerstören. Der ist nun mit Mercédès verheiratet, sie haben einen Sohn.
Das Familienleben der Mondegos trägt in seinen Vater/Sohn- Konflikten durchaus zeitgemäße Züge. Wie überhaupt die Sprache mit dem Heute kokettiert. Nur: Zur Originalität dieser soundsovielten Adaption von Dumas Urgestein trägt es nichts bei. Wie überhaupt alles Bemühen, den Stoff zu entstauben, in die Beliebigkeit führt. Der Graf von Monte Christo lebt von einem leidenschaftliche Pathos, das nicht mehr so recht in diese Zeit passen will und darum lieber in den älteren Schinken goutiert wird.
An ihrer trivialen Größe muss sich Reynolds Film wohl oder über messen lassen, zum Beispiel an der britischen TV-Produktion "Der Graf von Monte Christo" aus dem Jahr 1974 mit Richard Chamberlain und Tony Curtis. Oder an den beiden werkgetreuen Verfilmungen Robert Verneys, der 1953 sein eigenes "Monte Christo"-Remake mit Jean Marais in der Hauptrolle in die Kinos brachte. Die Antwort auf die Frage, warum das Kino noch eine Verfilmung brauchte, bleibt Reynolds "Monte Cristo" schuldig.
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