Action "Entführung der U-Bahn Pelham 123": Müdes Geiseldrama
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 24.09.2009 - 03:36(RP). Ein entführter Zug in der New Yorker U-Bahn. Ein unberechenbarer Schurke, der mit seinen Komplizen Lösegeld fordert. Und ein Mann in der Verwaltungszentrale der Verkehrsbetriebe, der per Telefon die Verhandlungen mit dem Anführer der Bande führen muss. Wem diese Konstellation bekannt vorkommt, beweist Erinnerungsvermögen. Schon in "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123" lieferten sich 1974 Walter Matthau als knurriger Cop und Robert Shaw als eiskalter Gangster ein packendes Duell.
In der Neuauflage ist aus dem U-Bahn-Bullen ein stinknormaler Fahrdienstleiter geworden, schläfrig gemimt von Denzel Washington, der den Anruf des Entführers entgegennimmt, während John Travolta mit viel Heckmeck den Boss der Kidnapper verkörpert. Dass Tony Scott ("Mann unter Feuer", "Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit") kein Regisseur für tiefgründige Stücke ist und dazu neigt, das hektische Hantieren mit filmtechnischen Spielereien zu übertreiben, ist hinlänglich bekannt. Weil aber das Drehbuch von Oscar-Preisträger Brian Helgeland ("L.A. Confidential") das psychologische Fern-Duell zwischen den Hauptfiguren in den Mittelpunkt stellt, wirkt ein Filmemacher wie Scott erst recht deplatziert. Dass dabei das Skript aus dem Schurken anders als im Original einen geschassten Börsenbroker macht, der sich an der Wall Street rächen will, verpufft genauso wie der neue Kniff, dem Helden wider Willen einen Bestechungsfall unterzujubeln. So treibt Scott die Handlung voran, ohne dass sich ein richtiger Spannungsbogen aufbaut, weil das anvisierte Duell kaum funktioniert.
Washington agiert, als habe er Baldriantropfen geschluckt, und John Travolta tritt überdreht auf. Um das zu überspielen, greift Scott auf Inszenierungsmätzchen zurück. Ein Zoom hier, ein Zeitraffer da, und wenn gar nichts mehr geht, rasen Polizeiautos von einer wackligen Handkamera verfolgt durch die Stadt. Selbst im Finale kann das glattpolierte Remake das vielschichtige Original nicht erreichen. Wenn sich am Ende die Kontrahenten wie in jedem x-beliebigen Actionfilm in eine wilde Verfolgungsjagd stürzen, denkt man nur wehmütig zurück an die verblüffende Schlusspointe der alten Verfilmung, in der sich ein Verdächtiger durch sein Niesen verriet.
Bewertung: 1 von 5 Sternen
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