Kino-Kritik: Musikerleben als Parodie
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 13.03.2008 - 08:29Düsseldorf (RP). Im Grunde waren sich „Ray“ und „Walk the Line“, jene hochgelobten Filmbiografien über Ray Charles und Johnny Cash, sehr ähnlich. Beide erzählten ziemlich schematisch von berühmten Musikern, von deren Herkunft aus einfachen Verhältnissen, von deren Ehekrisen, Drogenproblemen und vom Auf und Ab in der Karriere. Von all dem erzählt auch „Walk Hard – Die Dewey Cox Story“, allerdings in Form einer Parodie und über eine fiktive Figur, eine erfundene Rock’n’Roll- Legende.
Wie einst Tom Hanks als naiver Forrest Gump stolpert auch Dewey Cox (John C. Reilly) durch die Epochen der Musikgeschichte. Er bringt Elvis das Tanzen bei, zieht mit den Beatles durch Indien und erfindet zwischendurch den Heavy Metal sowie den Punk. Und er stürzt sich natürlich in Drogenexzesse, schläft mit vielen Frauen und zeugt viele Kinder, bis er schließlich nahe dem Ruin in Unterhose auf der Straße steht – und irgendwann wieder ein Comeback feiert.
Man merkt dem Film an, dass hier kreative Köpfe am Werk waren. Anders als beispielsweise die Macher der „Scary Movie“-Reihe, die grobschlächtig einen platten Gag an den anderen reihen, finden Regisseur Jake Kasdan („Nichts wie raus aus Orange County“) und Produzent Judd Apatow („Beim ersten Mal“), die auch zusammen das Drehbuch verfassten, recht gelungen die Mitte zwischen trivialem Geblödel und hintergründigem Humor.
Nicht der blanke Spott über den Musikerfilm an sich lag ihnen am Herzen, sondern eine liebevolle Persiflage, die die Vorbilder achtet, aber es sich nicht nehmen lässt, zuweilen derb über sie zu lästern.
Auch wenn nicht jeder Scherz sitzt und dem ganzen in der zweiten Hälfte etwas die Puste ausgeht, man schaut gerne zu, wie uns „Walk Hard“ das immergleiche Muster in Musikerbiografien vor Augen führt. Und dann ist da noch dieser John C. Reilly, einer von Hollywoods markantesten Nebendarstellern, den man vor allem aus den Filmen von Paul Thomas Anderson („Boogie Nights“, „Magnolia“) kennt. Er spielt brillant den Rockstar mit einfachem Gemüt, dem sein Leben eher zufliegt, und er überspannt unbedarft die Jahre vom jungen Spund zum greisen Opa.
Unvergesslich sind Szenen wie jene, in der die Mutter der Hauptfigur vor einem Schulkonzert hinter die Bühne kommt und wiederholt ihren ach so jungen, ja erst 14-jährigen Sohn herzt, wobei der 41-jährige Dewey-Darsteller Reilly neben seinen halbwüchsigen Bandkollegen so aussieht, als stünde er kurz vor der Pension. Wer sich da ein Grinsen verkneift, hat eben keinen Sinn für Parodien.
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