Film-Kritik: Nah an der eisernen Queen
VON SEBASTIAN FELDMANN - zuletzt aktualisiert: 10.01.2007 - 15:18Düsseldorf (RP). Regisseur Stephen Frears hat einen Film über das britische Königshaus in den Tagen des tragischen Unfalltods von „Lady Di“ gemacht. Im Zentrum steht die Queen, hervorragend gespielt von Helen Mirren.
Des Engländers Stephen Frears Film „Die Queen“ mit Helen Mirren in der Hauptrolle ist ein wunderbar ironisches, aber auch liebenswürdiges, sogar spannendes Kinowerk über die „Royals“ nach dem Auto-Unfalltod von „Lady Di“ am 31. August 1997. Es gibt infolge der Männerherrschaft in Politik und Filmwirtschaft wenige bemerkenswerte Filme über Königinnen.
„Königin Christine“ von Rouben Mamoulian (1933 mit der Garbo), die 1654 als schwedische Thronbesitzerin abdankte, 1655 nach Rom und zum katholischen Glauben wechselte, gehört zweifellos dazu. Die Filme über die Königinnen Elizabeth und Maria Stuart hielten sich in Drama und Klischee meist an Deutungen des Schiller-Texts. Der Rest ist Exotik oder Parodie. Oder als Ausstattungsstück - wie „Marie Antoinette“ - extrem langweilig.
Jetzt also die echte, steife, unnahbare Queen des „United Kingdom“ an einem prekären Wendepunkt. Der Autobahntunneltod der von ihr ungeliebten „Lady Di“ - vielmehr die kolossale Volks- und Medienresonanz - traf die Königin plus Prinzgemahl in ihren schottischen Besitzungen Balmoral völlig überraschend. Und stoisch. Da „Lady Di“ von Prinz Charles geschieden war, betrachtete das Königshaus sie nicht mehr als Mitglied der königlichen Familie. Verweigerte sowohl Kommentare als auch Halbmast-Beflaggung.
Während die Volkstrauer tobte, kommt jetzt wie beim Schach ein gewievter Läufer ins Spiel; der neue Premierminister Tony Blair. Der hatte soeben erst - als Sozi - der „Ma’am“ vorsichtig die Hand geküsst und die Akkreditierungsurkunde in Leder entgegengenommen, da merkte er schon, dass Elizabeths vom Volk als feindlich gedeutete Trauer-Verweigerung dem Prestige der Monarchie Schaden zufügen könne. „Majestät“, berichtete er ihr nach Balmoral in Schottland, wo Prinz Philip ungerührt einem Vierzehnender nachjagte, „die Monarchie liegt bei 40 Prozent in der Bevölkerungszustimmung“. Na gut, da warf sie das Ruder herum.
Aber hinreißend ist, wie Regisseur Stephen Frears diesen Machtkampf zwischen Demoskopie (abertausende Blumensträuße vor dem Buckingham Palace; Zeitungs-Titelseiten); Politik (Downing Street) und der schottischen Residenz in Balmoral abbildet. Besonders geschickt, wie er den abzuschießenden Vierzehnender im Hochland, der majestätisch auftaucht, als mögliches Sinn-Bild für Lady Di’s Tod assoziieren lässt, ohne irgendwelchen Verschwörungstheorien folgen zu wollen.
Ganz großartig Helen Mirren (Darstellerpreis in Venedig) als teils mürrische, teils versteinerte, teils sogar charmante Queen mit höchst arrogantem Akzent; fast emotionslos; Bewegung spielt sich nur in winzigen Gesichtsfältchen ab. Grandios Prinzgemahl Philip (wunderbar hölzern und gleichgültig: James Cromwell) sowie Michael Sheen als Ministerpräsident Tony Blair. Aber wenn der Film nach Balmoral hinaufgeht - oder wo auch immer man das gedreht hat; wenn man der arroganten Queen aufs Frühstück (und ihr auf die Lippen) blickt - dann weiß man, dies ist wohl vermutlich kein geglücktes Leben. Aber ein geglückter Film.
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