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Film-Kritiken: Nathalie: Ehefrau mietet Verführerin

zuletzt aktualisiert: 02.08.2004 - 12:35

Ehebruch: Was für Amerikaner fast schon eine kriminelle Handlung ist, in Skandinavien zu verquältem Zweifel an der ganzen Welt führt und in Deutschland meist beziehungstechnisch repariert wird, entfacht die Fantasie der Franzosen immer wieder und in immer neuen filmischen Varianten.

Davon zeugt auch der Film "Nathalie", der am 5. August in die deutschen Kinos kommt. Die Dreiecks-Geschichte hat Anne Fontaine inszeniert, die mit einer Starbesetzung aufwarten kann.

Denn die stolze Fanny Ardant als betrogene Ehefrau Catherine, die schöne Emmanuelle Beart als verführerische Prostituierte Marlene und schließlich Gerard Depardieu als Ehemann Bernard gehören zum Erlesensten, was die westliche Filmnation zu bieten hat. Zusammen mit Regisseurin Fontaine hat mit Jacques Fieschi ein Autor das Drehbuch verfasst, der entscheidend an den besten Filmen des verstorbenen Claude Sautet beteiligt war. Gleichwohl kann "Nathalie" weder die Klasse noch die überzeugende Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefe wie Sautets Melodramen aufweisen.

Das liegt vor allem an der Konstruiertheit der Handlung. Das Ehepaar - sie Ärztin, er Geschäftsmann - lebt in Paris in besten Verhältnissen. Aber die verspätetete Rückkehr Bernards von einer Geschäftsreise ausgerechnet an seinem Geburtstag erweckt das Misstrauen von Catherine. Und wieder einmal überführt ein Handy, abgehört von der Ehefrau, den Gatten der Untreue. Diese Variante des Ehebruch-Nachweises gehört inzwischen offenbar zum beliebtesten, aber längst nicht mehr sonderlich originellen Kniff von Drehbuchautoren in aller Welt. Für Catherine bricht ihre heile Welt zusammen. Doch sie fasst einen höchst ungewöhnlichen Entschluss.

Eine gewisse Unechtheit der Motive als Mangel

In einer schmuddeligen Bar engagiert sie die höchst reizvolle junge Marlene mit dem Auftrag, ihren Bernard zu verführen und darüber Bericht zu erstatten. Das tut Marlene, von Catherine fortan zu "Nathalie" umbenannt, dann auch in ausführlichster Weise. Sie scheut dabei vor der detaillierten Schilderung sexueller Praktiken und obszöner Wörter nicht zurück. Die Ehefrau ist schockiert, aber auch fasziniert von den erotischen Begierden Bernards. Natürlich ist sie auch zutiefst verletzt zu erfahren, dass er die Befriedigung dieser Begierden nicht bei ihr, sondern bei "Nathalie" sucht.

Allerdings wird nie so ganz klar, warum sich Catherine solch masochistischen Qualen unterzieht. Ihr Verhalten ist deshalb mehr eine Behauptung des Drehbuchs als eine aus ihrer Situation der betrogenen Frau resultierende Notwendigkeit. Immerhin hält der Film eine originelle, für aufmerksame Betrachter aber nicht mehr völlig verblüffende Schlusspointe bereit. Die soll keinesfalls verraten werden. Zu sehr ist die schwächelnde Handlung jedoch auf dieses Finale gerichtet. Zu wenig Mühe gibt sich der Film damit, für die Figuren einen glaubwürdigen sozialen und psychologischen Hintergrund zu entwerfen.

Für Fanny Ardant hält "Nathalie" eine Glanzrolle bereit, Emmanuelle Beart zeigt sich einmal mehr als verführerisches Geschöpf, dem Männer zwar schwerlich, aber manchmal eben zu widerstehen vermögen. Noch immer signalisiert die inzwischen 38-jährige Schauspielerin mit einem Blick oder einer Bewegung mehr Erotik als viele ihrer Kolleginnen mit freizügigen Nacktszenen. Aber auch die Beart kann die gewisse Unlaubwürdigkeit beider Frauen bei ihrem frivolen Spiel nicht vergessen machen. "Nathalie" ist deshalb ein Film, der nur bedingt zu fesseln vermag.


 
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