Fliegen fangen mit Jackie Chan: Neuauflage von "Karate Kid"
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 - 08:46(RP). Die Bezeichnung Klassiker wäre wohl etwas hoch gegriffen für "Karate Kid", jene Coming-of-Age-Geschichte mit pädagogischer Botschaft, die sich 1984 zum Kinohit mauserte, einen weltweiten Kampfsport-Boom auslöste und drei Fortsetzungen nach sich zog. Aber man hat sie über die Jahre liebgewonnen, diese fernöstlich angehauchte Fabel über einen Außenseiter-Teenager, damals gespielt vom bubihaften Ralph Macchio, der in Los Angeles unter der Knute eines weisen japanischen Zen-Meisters, köstlich verkörpert von Pat Morita, zum Karate-Ass wird und am Ende seinen Erzfeind von der Matte haut.
Weil Hollywood derzeit alles neu verfilmt, was das Archiv hergibt, ist nun auch "Karate Kid" an der Reihe. Will Smith stand dabei als Produzent Pate, und seiner Präsenz ist es wohl geschuldet, dass sein zwölfjähriger Sprössling Jaden die Hauptrolle bekleidet, obwohl er deutlich jünger ist als der ursprüngliche Titelheld.
So schlüpft eben der Filius in die Rolle eines nunmehr ebenfalls zwölfjährigen Jungen, der mit seiner alleinerziehenden Mutter aus Detroit ins ferne Peking umzieht. Dort leidet der Dreikäsehoch alsbald unter den Schikanen eines Schul-Rüpels, der ihn mit seiner Bande ständig terrorisiert. Jackie Chan mimt den unauffälligen wie bescheidenen Hausmeister Han, der sich als berühmter Kung-Fu-Meister im Ruhestand entpuppt und dem aufgeweckten Knirps zeigt, wie man mit Köpfchen kämpft.
Jacke anziehen lernen
Im Remake wurde nur punktuell etwas geändert. Die Hauptfigur, der Handlungsort und auch die Kampfkunst, statt Karate eben Kung Fu. Ansonsten ist alles beim Alten geblieben, wird im Wesentlichen die gleiche Geschichte noch einmal erzählt. Der Schüler gibt sich anfänglich wie gehabt ein wenig widerpenstig und übt sich dann doch lernwillig in seltsamen Aufgaben wie stundenlangem Jacke an- und ausziehen.
Während der Lehrer ihn nicht nur in Sachen Körperertüchtigung trimmt, sondern ihm auch Weisheiten wie "Der Stärkere ist nicht immer der Bessere oder "Der beste Kampf ist der, den man vermeidet" um die Ohren haut. All das hat erneut Unterhaltungswert, ist unter der brav-bekömmlichen Regie von Harald Zwart ("Agent Cody Banks") eine amüsante Angelegenheit, selbst für Zeitgenossen, die das Original bereits kennen.
Man sieht dem kleinen talentierten Jaden Smith gerne zu, wie er sich in seiner ersten großen Rolle schlägt. Und man staunt über Jackie Chan, der – verglichen mit seinen früheren Hollywood-Auftritten – den stillen Kung-Fu-König im Blaumann angenehm zurückhaltend gibt.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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