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Kino-Kritik: Neue Akte X ungelöst

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 24.07.2008 - 07:50

Düsseldorf (RP). Wenn ausführlich gezeigt wird, wie eine Frau auf nächtlich einsamer Straße nach Hause fährt, dann ist ja klar, dass ihr gleich Schreckliches widerfahren soll. Doch das Übliche wird hier durch stimmungsvolle Details aufgeladen: Es ist Winter, der Schnee glitzert im Licht der Scheinwerfer und steigert das Gefühl von Wärme und Geborgenheit im Inneren des Wagens. Bis der düstere Pickup-Truck mit der schweren Schneepflug-Schaufel ins Bild fährt – und später aus dem weitab von der Straße gestrandeten Auto eine Frau spurlos verschwunden ist .

Chris Carter, der Erfinder der Serie „Akte X“, hat sechs Jahr nach dem Ende seines langlebigen Fernseherfolgs zum zweiten Mal eine Fortsetzung fürs Kino entwickelt. „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ funktioniert auch bei einem Publikum, das die Serie nie gekannt hat. Carter führte diesmal selbst Regie. Er verließ sich darauf, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern David Duchovny und Gillian Anderson auch heute noch stimmt und dass eine atmosphärisch dichte Inszenierung wichtiger ist als ein komplizierter Plot.

Schon die Eröffnungsszene erläutert die Mischung aus Thriller, übernatürlichen Kräften und Horror. Da stochert ein großer Suchtrupp der Polizei mit langen Stöcken im Schnee einer Waldlichtung, in respektvollem Abstand hinter einem Mann mit zotteligen grauen Haarsträhnen, der allein durch den Schnee stolpert, irren Blicks seinen flackernden Visionen lauscht und plötzlich zu graben beginnt an einer Stelle, wo sich prompt die gesuchte Leiche findet. Oder vielmehr ein grausig abgehackter Teil von ihr. Doch Carter dosiert die Horroreffekte so sparsam wie hastige Actionszenen.

Auflösung früh verraten

Er schafft es, die Spannung bis zuletzt zu steigern, obwohl er zusammen mit seinem bewährten Drehbuch-Partner Frank Spotnitz eine recht simple Serienmord-Story schrieb und obendrein deren Auflösung schon früh andeutet.

Gleich zwei katholische Priester erweisen sich als besonders fragwürdige Charaktere. Da ist zum einen ein vorbestrafter Pädophiler, der für seine Taten mit der Heimsuchung durch Visionen büßt. Dazu kommt der geistliche Verwaltungschef eines katholischen Krankenhauses, der vor lauter tückischer Sparsamkeit einen schwerkranken Jungen in ein Hospiz abschieben will, um die teuren Heilversuche seiner Chefärztin zu beenden.

Doch soviel rabenschwarze Geistlichkeit lässt sich unter jenen Ausflügen in schwarzen Humor verbuchen, die auch zu einem überwältigend boshaften, weil völlig wortlosen Kommentar zur ausklingenden Ära Bush führen: Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson), längst aus dem FBI-Dienst ausgeschieden und erst nach langem Zaudern bereit, einem Hilferuf ihres einstigen Chefs zu folgen, erstarren im Foyer der FBI-Zentrale vor den einträchtig nebeneinander prangenden Porträts des berüchtigten einstigen FBI-Leiters Hoover und des amtierenden Präsidenten Bush.

Sie tauschen einen langen Blick, ehe sie sich aufraffen, dennoch wieder einzutreten in eine Behörde, die diese beiden Männer immer noch ehrt. Ansonsten schwelgt diese „Akte X“ in soviel Schneelandschaft, dass sie sogar an den grausigsten und komischsten aller Winter-Krimis erinnert – an „Fargo“ von den Coen- Brüdern


 
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