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Neuverfilmung "The Jungle Book"
Das "Dschungelbuch" ist ein deutlich düsterer Film geworden

Video: "The Jungle Book" – deutscher Trailer
Düsseldorf. Balou, Mogli und "Probier's mal mit Gemütlichkeit" – wer kennt es nicht, das "Dschungelbuch"? Die Neuverfilmung, die jetzt am 14. April ins Kino kommt, ist allerdings deutlich düsterer als der beschwingte Klassiker.

Zeichentrick-Klassiker neu zu verfilmen, ist bei Disney gerade "en vogue". Nach der "Dornröschen"-Neuinterpretation "Maleficent" und "Cinderella" hat man sich nun das "Dschungelbuch" vorgenommen, jenen berühmten Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1967, der durch seine heiter-beschwingten Musicalnummern und seine ikonischen Figuren wie keine zweite Adaption der Vorlage von Rudyard Kipling Leben eingehaucht und das kulturelle Gedächtnis von Kindern mehrerer Generationen geprägt hat.

"The Jungle Book" hat einen ernsthafteren Tonfall

Wie bei "Maleficent" entschlossen sich die Macher auch bei "The Jungle Book" für einen deutlich ernsthafteren Tonfall. So hat sich der heimelig grüne Abenteuerspielplatz der Zeichentrickvorlage in ein dunkles, oft bedrohliches Dickicht verwandelt, die Beschaulichkeit weicht der Action. Schon in der ersten Szene heftet sich die scheinbar schwerelose Kamera wortwörtlich an die Fersen des Menschenjungen Mogli, der seit seiner Geburt bei einem Wolfsrudel lebt.

Sie folgt ihm über Äste und Abgründe und führt immer tiefer in den indischen Dschungel hinein. Bis sich alles als recht harmloser Wettlauf entpuppt, zwischen Mogli und seinem Mentor, dem weisen schwarzen Panther Baghira. An Idylle ist trotzdem nicht zu denken: Der Tiger Shir Khan, der mit den Menschen schlechte Erfahrungen gemacht hat, hält Mogli für eine Gefahr. Der Junge soll deshalb die Tiergemeinschaft verlassen. Und weil dem Tiger nicht zu trauen ist, macht Mogli sich bald alleine auf den Weg - um in dem behäbigen Bären Balu, einem trickreichen Faulpelz, einen neuen Freund zu finden.

Das "Jungle Book" kommt sehr echt daher

Abgesehen vom einzigen menschlichen Darsteller ist auch das neue "Jungle Book" ein Animationsfilm; nur eben einer, der aufgrund seiner fotorealistischen Qualitäten so echt daherkommt, dass eine Unterscheidung zwischen realer und digitaler Wirklichkeit mit bloßem Auge kaum noch zu treffen ist. Was die tricktechnische Umsetzung angeht, ist dieser Abenteuerfilm schlicht fulminant. Dies setzt sich im Einsatz der 3D-Technik fort, die neue Räume eröffnet und zu einem immanenten und dramaturgisch gerechtfertigten Bestandteil des Films wird. Und sie findet einen weiteren Höhepunkt in der Darstellung der unterschiedlichen Tierarten, deren Körper und deren anmutende fließende Bewegungen so real wie nur möglich erscheinen.

Ein fantastisches Sprecher-Ensemble leiht den Tieren in der englischen Originalfassung seine Stimme: Ben Kingsley spricht den bedächtig-klugen Lehrer Baghira, Bill Murray den Lebebären Balu, Scarlett Johansson macht aus Kaa eine wahrhaft verführerische Schlange und Christopher Walken aus dem Riesenaffen King Louie einen stattlichen Gangster. So gewaltig, prägnant und ausdrucksstark sind diese Stimmen, die in enger Verbindung mit der Körpersprache und dem Aussehen der Tiere stehen, dass es der Newcomer Neel Sethi als Mogli denkbar schwer hat. Ohnehin verlangt das Drehbuch von Mogli vor allem körperliche Präsenz und viel Akrobatik, während es seine Entwicklung und die Moral der Geschichte eher mit dem Holzhammer präsentiert.

Der Film wirkt wie eine Nummernrevue

Das größte Problem besteht darin, dass die recht simpel gestrickte Handlung keinen rechten Fluss entwickelt und eher wie eine Nummernrevue wirkt. Besonders seltsam ist dies, wenn sich "The Jungle Book" vor dem Original verneigt und der mythische Riesenaffe King Louie, der hier nicht nur bedrohlich aussieht, sondern es auch ist, dennoch überraschend sein "I wanna be like you" anstimmt. Das betont düstere Setting und das luftige Swing-Lied wollen einfach nicht zueinander passen.

Unter der Regie von Jon Favreau ist so ein Actionspektakel für (ältere) Kinder entstanden, das nebenbei zwar auch den Wert des Zusammenhalts feiert und über die Suche nach dem Platz inmitten einer Gemeinschaft erzählt, letztlich aber kaum mehr als eindrucksvolles Effektkino ist. Das hat seinen Reiz und fesselt, zweifellos. Doch wenn Mogli von Szene zu Szene hetzt, dann möchte man ihm bisweilen doch zurufen: Probier's mal mit Gemütlichkeit!

(spol/KNA)
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