Die TV-Kultserie erobert die Kinoleinwand: Nostalgie-Einsatz für das "A-Team"
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 12.08.2010 - 11:20(RP). Wer die Serie geliebt hat, in der vier verstoßene Soldaten gute Taten tun, der kann im neuen Kinofilm Wiedersehen feiern mit dem "A-Team". Allerdings setzt die Kino-Variante weniger auf sarkastischen Witz und coole Sprüche als vielmehr auf ansehnliche Action.
In den späten 70er und in den 80er-Jahren war die Serienwelt noch in Gut und Böse geteilt, und nicht so verzwickt und komplex konstruiert wie heutzutage in Formaten wie "Lost" oder "Flash Forward". Damals legten auf der Mattscheibe die "Drei Engel für Charlie" Gangster aufs Kreuz, jagte David Hasselhoff mit einer aufgemotzten Karre in "Knight Rider" diverse Schurken oder mühten sich zwei Vietnamveteranen und ein Weichei in "Trio mit vier Fäusten" als Detektive.
Eines blieb bei diesen Serien immer gleich: Kannte man eine Folge, kannte man alle, denn im Grunde waren die Episoden alle gleich gestrickt. So auch beim "A-Team". Von 1983 bis 1987 brachte es ein Trupp zu Unrecht verurteilter Special-Forces-Soldaten, die sich verfolgt von der Militärpolizei zu Rächern ebenfalls Entrechteter mauserten, auf insgesamt 97 Folgen.
Angeführt vom schon mächtig ergrauten George Peppard, der mal bessere Kinotage gesehen hatte (man denke an "Frühstück bei Tiffany"), beging die bunt zusammengewürfelte, breit grinsende Söldnerbande Woche für Woche eine gute Tat und eilte schon mal einer alten Dame zu Hilfe, die nicht aus ihrer Wohnung ausziehen wollte und von den Schlägern ihres Vermieters heimgesucht wurde.
Dass nicht nur das A-Team, sondern auch andere Produktionen aus dieser Periode serieller Unterhaltung heutzutage kultisch verehrt werden, liegt wohl eher an nostalgischer Vergangenheitsverklärung denn an der Qualität. Da Hollywood in den letzten Jahren aber immer wieder gerne betagte TV-Hits zu Kinofilmen aufmotzt, stand nun auch das A-Team auf der Agenda.
Regisseur Joe Carnahan, der vor vier Jahren mit seiner brutalen Ballerorgie "Smokin' Aces" eher für Kopfschütteln sorgte, hat die Typologie des Originals beibehalten. Liam Neeson ist in die Rolle des zigarrenpaffenden Anführers Hannibal geschlüpft, Bradley Cooper mimt den smarten Frauenheld Faceman, Sharlto Copley gibt den durchgeknallten Piloten Murdock, und als Muskelprotz mit Flugangst ersetzt Quinton Jackson jenen Mr. T., der mit seiner Irokesenfrisur für viele der Star der Fernsehserie war.
Carnahan versucht anfangs, so etwas wie die Vorgeschichte des Teams zu erzählen. In einem zugegeben rasanten Auftakt kreuzen sich die Wege der vier das erste Mal, bevor die eigentliche Handlung ein paar Jahre später einsetzt. Fortan geht es irgendwie darum, das dem Trüppchen der Diebstahl von Druckplatten für falsche Dollarnoten angelastet wird, und um die Versuche des Quartetts, seine Unschuld zu beweisen. Eine Story im eigentlichen Sinne lässt sich dabei nur schwerlich erkennen. Stattdessen macht Carnahan zwei Stunden lang Radau, reiht eine Krachbumm-Sequenz an die nächste, bis am Hafen von Los Angeles das letzte Feuerwerk abgebrannt wird.
Mit dem Original hat das nur noch wenig zu tun. Denn die Ausrichtung der Serie basierte weniger auf Stunts, Schüssen und Explosionen, als viel mehr auf den machohaften Sprüchen und der bisweilen bizarren Komik, was schon mal darin gipfelte, dass die Jungs ihren Van mit Bratpfannen kugelsicher machten. Dass angeblich nicht weniger als elf Autoren für die Kinoversion in die Tasten gegriffen haben sollen, mutet geradezu grotesk an, angesichts des Sammelsuriums an unzusammenhängenden Szenen, die dabei herausgekommen sind. Immerhin kann man sagen, dass die Actioneinlagen überwiegend ansehnlich geraten sind. Was auch daran liegt, dass man einfach schmunzeln muss, wenn ein Panzer an Fallschirmen gen Boden saust oder Container herumwirbeln, die nicht wie tonnenschwere Stahlteile, sondern wie Legosteine aussehen.
Der ganze Budenzauber endet übrigens mit dem Eröffnungstrailer der Originalserie und der einprägsamen Titelmelodie. Ob die vier vom neuen A-Team allerdings in einer Fortsetzung zum Einsatz kommen, ist eher unwahrscheinlich. Denn an den amerikanischen Kinokassen blieb der Film hinter den Erwartungen zurück und wurde selbst von "Karate Kid" übertroffen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






