Film-Kritik: One Day in Europe: Filmische Reise
zuletzt aktualisiert: 04.04.2005 - 11:40Leichtfüßig inszeniert ist der Episodenfilm "One Day in Europe" von Hannes Stöhr. Ein Filmtrip in vier europäische Städte, die im Fußballfieber stecken. Erzählt wird von Reisenden, die Opfer von Diebstählen werden oder diese selbst inszenieren. Wie Stöhr mit schmalen Storys und vielen Einfällen die wechselseitigen Klischee-Vorstellungen von Europäern auf die Schippe nimmt, das lässt selbst strenge Filmkritiker schmunzeln.
In Moskau stehen sich die Fußballmannschaften von Galatasaray Istanbul und Deportivo La Coruna in einem (fiktiven) Champions-League-Finale gegenüber. Zur gleichen Zeit werden in Moskau, Istanbul, Berlin und der spanischen Pilgerstadt Santiago de Compostela ausländische Besucher Opfer von Diebstählen oder geben wenigstens vor, das zu sein. Es handelt sich um eine englische Geschäftsfrau, einen Berliner Rucksacktouristen, einen ungarischen Pilger und ein französisches Artistenpärchen. Während sie alle unter Verständigungsproblemen leiden und bei der Polizei in der Regel vergeblich Hilfe suchen, verfolgen die Fans umso begeisterter das Fußballspiel auf den TV-Monitoren.
"One Day of Europe" lief als einer drei deutschen Beiträge im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale, wo er freundliche Aufnahme fand. Stöhr nennt seinen dritten langen Film eine "burleske Komödie", die ein heiteres "Spiel mit Autoritäten" betreibe. "Ich wollte mit Klischees spielen und sie zugleich in Frage stellen", sagt der 1970 in Stuttgart geborene Regisseur, der 2001 mit seinem Debütfilm "Berlin is in Germany" etliche Preise gewann, darunter den Panorama-Publikumspreis der Berlinale.
Einfallsreich analysiert Stöhr mit Hilfe einer internationalen Besetzung die Missverständnisse und Vorurteile, die nicht zuletzt durch die Sprachenvielfalt in Europa entstehen, und plädiert ohne didaktischen Zeigefinger für mehr Toleranz und Verständigung zwischen den Völkern. Seine hintergründigen Episoden, die hübsche Animationssequenzen miteinander verbinden, sollen signalisieren, dass die Europäer nicht erst seit der EU-Osterweiterung "nach einem European Way of Life suchen". Dies deutet auch der Filmtitel an, der sich als "Ein Tag in Europa" und "Eines Tages in Europa" übersetzen lässt und damit gleichermaßen auf Gegenwart und Zukunft verweist.
Wie die meisten Episodenfilme kommt auch "One Day in Europe" bei den Variationen des Konflikts zwischen bürgerlicher Hilfsbereitschaft und behördlicher Ignoranz um gelegentliche Wiederholungen und manche Längen nicht herum. Dafür entschädigen aber humoristische Highlights wie zum Beispiel das kriminalistische Hilfsangebot von Erdal Yildiz, der in Istanbul als türkischer Taxifahrer mit langer Deutschlanderfahrung im Dialog mit einem trickreichen Berliner Techno-Touristen (Florian Lukas) so wunderbar schwäbeln kann.
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