Meisterwerk von Stephen Daldry: Oscar- Preisträgerin Nicole Kidman in "The Hours"
zuletzt aktualisiert: 24.03.2003 - 13:49Frankfurt/Main (rpo). "The Hours" erzählt die Geschichte dreier Frauen, deren so unterschiedliche Schicksale auf wundersame Weise durch ein Buch miteinander verbunden sind. Nun kommt der Film auch bei uns ins Kino, der großes Lob für die Leistungen der drei Schauspielerinnen erntete.
Im Mittelpunkt des knapp zweistündigen Films von Stephen Daldry in dem drei Erzählstränge mit höchster Virtuosität miteinander verknüpft werden, steht die tragische geendete Autorin von "Mrs. Dalloway", also Virginia Woolf selbst. Bereits in den ersten Szenen wird der Zuschauer Zeuge ihres Selbstmordes im Wasser eines Flusses. In Rückblenden erst wird klarer, wie es zu diesem Ende kommen konnte. Jahre nach Woolfs Tod liest eine frustrierte Hausfrau 1952 in einem idyllischen Vorort von Los Angeles das Buch der bedeutenden britischen Autorin. Die hübsche kalifornische Ehefrau und Mutter eines reizenden Jungen nimmt den Roman auch in das Hotelzimmer mit, in dem sie ihrem Leben ein Ende machen möchte.
Die rührige, unentwegt organisierende und planende Intellektuelle im New York des Jahres 2001 hingegen denkt keineswegs an Selbstmord. Sie ist gerade dabei, ein Fest vorzubereiten für einen aidskranken Dichter, der einen Literaturpreis bekommen hat. Der vom Tod bereits gezeichnete Mann weiß nur zu gut, wem die rührend um ihn besorgte Lektorin so sehr ähnelt, nämlich eben jener "Mrs. Dalloway", die vor vielen Jahren von Woolf zu literarischem Leben erweckt wurde. Warum nimmt sich die Schriftstellerin das Leben, wie lebt die kalifornische Hausfrau nach ihrem aufgegebenen Selbstmordversuch weiter, wie endet das geplante Fest der New Yorkerin?
Dramatik gepaart mit schauspielerischer Leistung
Das erzählt der Film "The Hours" so spannungsreich und voller Dramatik, dass der Betrachter unwiderstehlich in einen Sog gezogen wird, der ihn auch weit nach Filmende noch nicht loslassen will. Das aber ist nur die eine außergewöhnliche Qualität dieses Kinoereignisses. Die andere Trumpfkarte von "The Hours" sind drei großartige Darstellerinnen in den Hauptrollen: Die in Hollywood arbeitende Australierin Nicole Kidman, mit langer Kunstnase und ungeschminkt kaum wiederzuerkennen, verkörpert mit bewundernswerter Intensität die von Depressionsschüben gepeinigte, gleichwohl produktive Schriftstellerin.
Julianne Moore, derzeit auf dem Zenit ihres Könnens, spielt bewegend Laura Brown, eine amerikanische Vorstadtfrau der frühen Fünfziger. Meryl Streep als Clarissa Vaughan fügt ihren vielen großen Vorstellungen eine weitere hinzu als eine Frau aus der Gegenwart, die sich in Aktivitäten regelrecht betäubt, um ihren ureigensten Problemen und Ängsten ausweichen zu können. Und Nicole Kidman verkörpert die tragikumwobene Virginia Woolf, deren Fantasie und Feder "Mrs. Dalloway" entstammte. Toni Collette, ebenfalls Australierin, hat einen furiosen Kurzauftritt als Lauras Freundin, die in nur einer einzigen Szene Glanz wie mehr noch Elend ihres Daseins offenbart.
Mit Ed Harris als aidskranker Dichter, Stephen Dillane als überaus liebevoller Ehemann von Virginia Woolf und dem vielseitigen John C. Reilly als treuherzigen Gatten von Laura sind auch die wichtigsten männlichen Partien fabelhaft besetzt, was übrigens auch bis in die kleinste Nebenfigur zutrifft.
Nach seiner Präsentation auf der Berlinale ist "The Hours" verschiedentlich der Vorwurf gemacht worden, zu perfekt, zu glatt zu sein. Das ist blanker Unsinn: Stephen Daldry hat auch mit seinem zweiten Spielfilm nach dem tollen Debüt mit "Billy Elliot" eine faszinierende, tief anrührende Leinwandarbeit vorgelegt.
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