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Kino-Kritik: "Paris je t'aime": Steve Buscemi hat Ärger in der Métro

zuletzt aktualisiert: 24.01.2007 - 09:39

Frankfurt/Main (RPO). Die Stadt der Liebe ist das Zentrum des Episodenfilms "Paris je t'aime", zu dem unter anderem Tom Tykwer und die Coen-Brüder sehenswerte Geschichten beigesteuert haben. Allerdings präsentiert sich das Werk recht uneinheitlich: Auch belanglose und unsägliche Kurzfilme sind dabei.

Der Kuss der schönen Fremden bringt Steve Buscemi kein Glück, die Coen-Brüder zeigen ihm nämlich die merkwürdigen Seiten von Paris. Foto: Senator

Die Werbung für den Episodenfilm "Paris je t'aime" bedient reichlich Klischees. Ein Herz aus roten Eiffeltürmen prangt auf dem Plakat, und das Wahrzeichen der Stadt muss auch noch das A im Namen Paris, der Stadt der Liebe, ersetzen. Dabei will der Film, der mit einer beeindruckenden Liste hochkarätiger Regisseure und Schauspielern aufwartet, die französische Kapitale von einer neuen Seite zeigen.

Diesem Anspruch werden nicht alle 18 Geschichten gerecht, die jeweils rund fünf Minuten dauern und die locker miteinander verbunden sind. Sie sind auch von höchst unterschiedlicher Qualität: Perlen wie den Kurzfilmen von Tom Tykwer, den Coen-Brüdern oder Frédéric Auburtin und Gérard Depardieu stehen belanglose oder unsägliche Kurzfilme etwa von Sylvain Chomet ("Das große Rennen von Belleville") gegenüber. Alfonso Cuarón fiel mit der Traumbesetzung Nick Nolte/Ludivine Sagnier leider nicht mehr ein als ein gespielter Witz.

Idee des Films mit einer langen und komplizierten Entstehungsgeschichte war es, "Regisseure aus aller Welt eine kleine Geschichte über ein romantisches Intermezzo in Paris erzählen" zu lassen. Dabei hatten sie künstlerisch freie Hand. Als erstes drehte Tom Tykwer 2003 seine Liebesgeschichte im Faubourg Saint Denis mit Natalie Portman und Melchior Beslon um einen Blinden, der glaubt, von seiner Freundin verlassen worden zu sein. Damit gewann Produzent Emmanuel Benbihy die Unterstützung seiner französischen Kollegin Claudie Ossard ("Delicatessen", "Betty Blue").

Wes Craven lässt Oscar Wilde lebendig werden

Auch wenn sich Spekulationen über eine Beteiligung von Woody Allen oder Kevin Spacey nicht bewahrheiteten, so haben die Produzenten schließlich Stars wie Gus van Sant oder Walter Salles gewinnen können, die für den Blick von außen auf Paris stehen. Der Brasilianer Salles wollte erst im Multikulti-Viertel Belleville drehen, inszenierte dann aber eine sozialkritische Geschichte über ein Kindermädchen aus Lateinamerika im feinen 16. Arrondissement.

Horror-Altmeister Wes Craven lässt auf dem Friedhof Père Lachaise den dort beigesetzten Oscar Wilde lebendig werden, damit dieser die Trennung eines Paares kurz vor der Hochzeit verhindern kann. Sein angestammtes Genre überließ er Vicenzo Natali, der mit Elijah Wood ("Herr der Ringe") im Viertel an der Madeleine-Kirche in einer stilisierten und mit Zitaten aus der Filmgeschichte gespickten Episode die Vampire zum Leben erweckt.

Von surrealer Schönheit ist die Geschichte einer von Juliette Binoche gespielten Mutter, die nach dem Tod ihres kleinen Sohnes nicht mehr schlafen kann. Ein Cowboy auf der nächtlichen Place des Victoires (William Dafoe) ermöglicht es ihr, Abschied von ihrem Kind zu nehmen. Unterhaltsam kommt die Episode aus dem Quartier Latin daher, wo sich Gena Rowlands und Ben Gazzara in einem Café am Jardin du Luxembourg über ihre bevorstehende Scheidung streiten - Depardieu kredenzt den beiden Altstars den Rotwein.

Ein Höhepunkt des uneinheitlichen Films ist zweifellos die Fingerübung der Brüder Joel und Ethan Coen, die einen unbedarften amerikanischen Touristen (Steve Buscemi) in einer Métro-Station in den Streit eines schrägen Pärchens stolpern lassen. Für solche Vergnügen muss sich der Zuschauer aber auch durch Mittelmaß und Langeweile kämpfen: Weniger Teile wären bei diesem filmischen Puzzle mehr gewesen.

Quelle: ap

 
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