"Paycheck": Amnesie-Thriller zum Vergessen
zuletzt aktualisiert: 19.01.2004 - 10:27Mit Ben Affleck und Uram Thurman in den Hauptrollen startet am Donnerstag John Woos neuer Action-Thriller "Paycheck" in den Kinos. Schade, dass der Kult-Regisseur ein vielversprechendes Thema so leichtfertig in uninspirierter Action verpulvert.
Michael wacht eines Morgens auf, ohne zu wissen, was er in den drei Jahren zuvor getan hat. Er weiß nur, dass ein Scheck über 90 Millionen Dollar auf ihn wartet - der Lohn für seine Amnesie. Der Held des Thrillers "Paycheck", der am 22. Januar anläuft, ist ein anfangs skrupelloser High-Tech-Ingenieur. Seine Aufträge sind so geheim, dass nach ihrer Erledigung sein Gedächtnis ausradiert wird - doch wo es sich sonst um Wochen handelt, sind es diesmal ganze drei in den Diensten der Allcom Corporation verbrachten Jahre, die ihm fehlen.
Glückskeks für die Identität
Verstört muss der Yuppie jedoch feststellen, dass kein Scheck auf ihn wartet, sondern ein Umschlag mit Kleinkram, wie er sich auch in den vergessenen Untiefen einer Damenhandtasche befinden könnte: Ein Haarspray, eine Briefmarke mit Einstein drauf, eine Münze, ein Spruch aus einem chinesischen Glückskeks etc.: 19 Indizien, die sowohl Zukunft wie Vergangenheit entschlüsseln helfen.
Es tauchen weiterhin eine Frau auf, die hartnäckig behauptet, seine Geliebte zu sein, sowie Killer der Allcom Corporation und FBI-Agenten, die Jagd auf ihn machen. Und man erfährt, dass Michael an einem Computer werkelte, der eine Vorausschau auf zukünftige Katastrophen erlaubt: insgesamt Ingredienzien, die einen spannenden Rätselthriller mit viel Gehirnjogging für den Zuschauer erwarten lassen.
Prominenter Autor
Als Vorlage diente eine Kurzgeschichte aus dem Jahre 1953 vom Schriftsteller Philip K. Dick, der eine unerschöpfliche Quelle für Sci-Fi-Filme darstellt: Klassiker wie "Blade Runner" und "Total Recall" sind ebenso von ihm inspiriert wie Steven Spielbergs "Minority Report". Doch Regie führte diesmal der Actionchoreograph John Woo ("Mission Impossible 2", "Face/Off"), dessen opulent-pathetischer Stil bereits Spektakel wie "Matrix" befruchtete.
Und deshalb wandelt sich der eher tüftelige Thriller unvermittelt in eine Abfolge von Standard-Actionszenen mit Verfolgungsjagden, Explosionen und Zeitlupen-Schießereien, unterbrochen von Momenten mit Philosophie light. Das inhaltliche Potenzial wird dabei nie ausgeschöpft - wie etwa Überlegungen zu den Paradoxien der Zeitdimension, bei denen sich die Katze in den Schwanz beißt, über den Sinn einer Vorausschau in die Zukunft, die in der Gegenwart korrigiert werden kann, bis hin zum Drama einer Liebe, die durch simple Erhitzung des Gehirns im schwarzen Loch der Erinnerung versackt.
Uma Thurmann fehlbesetzt
All das versaubeutelt John Woo mit seinen üblichen Actionsequenzen, was umso bedauerlicher ist, da diese weniger bombastisch als gewohnt inszeniert sind. Also bietet der Thriller weder genug fürs Auge noch für die kleinen grauen Zellen.
Hinzu kommt die unpassende Besetzung. Neben Ben Affleck ist Uma Thurman als so liebreizende wie feinsinnige Biologin und Wetterfee ein grandioser Fehlgriff, - selbst dann wenn sie ihre in "Kill Bill" erworbenen Randale-Qualitäten beweisen darf. Affleck, der wie gewohnt stumpf dreinschaut, macht sich dagegen gar nicht schlecht im eher kruden Sci-Fi-Universum des Philip K. Dick, in dem auch Arnold Schwarzenegger in "Total Recall" brachiale Größe gewann.
John Woos uninspirierte Auftragsarbeit jedoch hinterlässt das enttäuschte Gefühl eines "Ist das alles?"; sein Markenzeichen der weißen Taube, die in jedem seiner Streifen aufflattert, wirkt diesmal unmotivierter als je zuvor: John Woo hat sich selbst parodiert.
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