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Film-Kritik: Playa del Futuro: Melancholisches Märchen

zuletzt aktualisiert: 06.06.2005 - 10:48

Statt mieser Laune und Kölsch sehnt sich Kneipenbesitzer Rudi nach sonnigen Tagen am spanischen Strand. Konsequenterweise macht er sich gleich auf ins Land seiner Träume - allerdings ohne seine Freundin Kati zu informieren. Doch Trost naht bereits in Form von Rudis Freund Jan.

Koch Jan nämlich ist bereits lange unglücklich in Kati verliebt und nutzt die Chance, die verqualmte Biertränke zu einem schnieken Restaurant umzuwandeln. Aber das Finanzamt macht den beiden Gastronomen mit Steuerforderungen einen Strich durch die Rechnung, und der schüchterne Jan reist dem Zechpreller Rudi hinterher. Er landet ebenfalls im andalusischen Bergdorf, dessen Hauptattraktion ein Bahnanschluss ist.

Neben Rudi, der ein dubioses Hotelprojekt betreibt, sind dort noch mehr Mitteleuropäer gestrandet. Doch eine Zukunft trägt das Dorf Playa del Futuro ("Strand der Zukunft"), das seine Entstehung der Legende von einem unterirdischen See verdankt, nur im Namen. Wortkarge Spanier hocken dort ihrerseits in der Kneipe und beobachten skeptisch das seltsame Treiben deutscher Aussteiger, die voller Enthusiasmus in dieser Einöde Wurzeln schlagen wollen.

Fast die gesamte Besetzung aus Peter Lichtefelds deutsch-finnischen Überraschungserfolg "Zugvögel" (1997) ist nun in die spanische Provinz geflogen, die Lichtefeld umgehend finnlandisiert. Die Eingeborenen sind so temperamentvoll wie abgestandenes Kölsch, und selbst ein Aki Kaurismäki hätte die melancholische Stimmung des schläfrigen Dorfes nicht besser hinbekommen. Neben Finnland-Import Outi Mäenpää als Kati taucht gar Kaurismäkis Lieblingsschauspielerin Kati Outinen kurz auf, deprimiert wie immer.

Peter Lohmeyer stolpert mit weidwundem Peter-Lohmeyer-Blick durch die Hitze und kriegt nichts gebacken, obwohl er doch nichts lieber möchte, als Koch sein. Der Mann in diesem Film ist eine Frau - die tatkräftige Deutsche Angie (!), die ihre Ersparnisse in den Kauf des örtlichen Bahnhofscafés investiert und Jan als Koch einstellt.

Zustand unbestimmter Sehnsucht

Regisseur Lichtefeld ist ein Eisenbahn-Fan - Züge, die nicht synchron zum Lebensfahrplan verkehren, spielen wie bereits in "Zugvögel" eine elementare Rolle. Und abermals entpuppt sich das schlechte Timing seiner idealistischen Träumer als ihr wahres Glück. Das buddhistische Film-Motto "Es ist wichtig, dass wir keine Zeit verschwenden; das Leben ist kurz, und die Dinge sind vergänglich" suggeriert eine Eile, die der Film nicht einlöst.

Vergebens wartet man auf den Beginn einer hektischen "Story": ein Zustand unbestimmter Sehnsucht, wie ihn einst nur Wim-Wenders-Filme erzeugten. Und es "wendert" gewaltig, wenn Männer vor grandioser Gebirgskulisse still ihre Träume begraben und verschüttete Gefühle entdecken. Die Realität und nachvollziehbare Charaktere kommen in diesen romantisch-somnambulen Stimmungsbildern freilich zu kurz, und auch eine angedeutete Krimihandlung verläuft friedlich im Sande.

Statt Adrenalin zu erzeugen, hat dieses beschauliche Märchen vielmehr die Wirkung einer Siesta und besitzt, trotz oder wegen seiner Verschwommenheit, einen eigenen, entspannten Charme. Ungerührt wärmt Lichtefeld nicht nur die nostalgischen Aussteigerwünsche der Achtziger von der netten kleinen Bar im Süden auf, sondern lässt seine Antihelden wider alle Wahrscheinlichkeit in der spanischen Sackgasse glücklich werden. Dort findet sich unterm Pflaster bestimmt mehr Strand als in deutschen Sackgassen: Vielleicht hat Lichtefeld ja unabsichtlich den ersten Film über die neue deutsche Auswandererbewegung gedreht.

Quelle: ap

 
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