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Thriller "Der Ghostwriter": Polit-Intrige von Polanski

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 10:45

(RP). Eine Fähre legt an, die Autos fahren an Land. Bis auf eins. Von oben schaut die Kamera auf diesen Wagen, wie er einsam in seiner Spur steht, verlassen, verwaist. Und sofort hat Roman Polanski seine Zuschauer erwischt. Schnell und schnörkellos verwickelt er sie in eine Geschichte, in der immer wieder Indizien auf dunkle Machenschaften verweisen. Der Fahrer des Autos ist jedenfalls tot. Über Bord gegangen. An einen Selbstmord glaubt niemand.

Darum ist der smarte Ghostwriter von Anfang an misstrauisch, als er die Nachfolge des Verstorbenen antritt. Er soll die Memoiren eines ehemaligen britischen Premiers zu Ende schreiben. Doch schon bei den ersten Gesprächen mit Adam Lang fallen Ungereimtheiten auf, außerdem wird der Ex-Premier gerade in einen gewaltigen Skandal hineingezogen. Er soll mutmaßliche Terroristen heimlich an die CIA ausgeliefert haben. Und kaum ist die Nachricht raus, tauchen vor dem Panoramafenster im Bungalow des Politikers die Paparazzi-Hubschrauber auf. Die Jagd auf den Premier ist eröffnet.

Natürlich muss man bei diesen Bildern daran denken, dass Roman Polanski von seiner Filmgeschichte eingeholt worden ist. Denn als bekannt wurde, dass der Regisseur wegen Missbrauchs einer Minderjährigen vor 30 Jahren unter Hausarrest gestellt wird, wurde auch seine Villa in der Schweiz von Medien belagert. Seinen Thriller nach dem Roman von Robert Harris hatte Polanski da schon im Kasten, die gesamte Postproduktion aber musste er aus der Ferne anleiten.

Trotzdem ist "Der Ghostwriter" ein stimmiger Film geworden mit einem glänzend sarkastischen Ewan McGregor als Auftragsschreiber mit zu viel Neugier und Pierce Brosnan als selbstverliebtem Ex-Premier mit zu vielen Geheimkontakten.

Alle Ähnlichkeiten mit Englands früherem Regierungschef Tony Blair sind schon in der Romanvorlage volle Absicht. Allerdings verleiht das der Geschichte nicht mehr Gewicht. Polanski hat einfach ein spannendes Polit-Kriminalstück gedreht mit viel britischem Dialogwitz und nobel-coolem Ambiente; gefilmt wurde in einem streng-edlen Dünenbungalow auf Sylt. Doch wenn am Ende alle Geheimdienstspuren verfolgt und alle falschen Figuren entlarvt sind, zerfällt dieser Film doch nur zu einem hübschen Nichts. Polanski führt zwar ein politisches System vor, in dem Politiker Schauspieler sind und Geheimdienstler die eigentlichen Entscheider. Doch er tut das ohne allen Zorn, eher kalt lächelnd. Und so setzt er auch eine Schlusspointe, die zwar nicht logisch ist, aber lakonisch. Wie der ganze Film.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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