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Kino-Kritik: Polizist unter Verdacht

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 17.04.2008 - 09:43

Düsseldorf (RP). Man könnte ihn den letzten der Armenviertel- Pistoleros nennen – Detective Tom Ludlow (Keanu Reeves) vom Los Angeles Police Department. Tatsächlich sieht er Polizeiarbeit weniger als Vorstufe eines Gerichtsverfahren denn als sozialdarwinistischen Auslesekampf: Die Guten und die Bösen klären mit Feuerkraft und Skrupellosigkeit, wem die Straßen gehören. Der Titel „Street Kings“ benennt diese archaische Sichtweise der sozialen Zerfallsprozesse genau: Es geht darum, wer herrscht.

Keanu Reeves spielt in "Street Kings" einen abgebrühten Cop. Foto: Fox

Aber Ludlow ist ins Visier der Abteilung für Interne Ermittlungen geraten. Im Spottwort vom letzten Pistolero liegt Drohung und Vision. Es klingt, als sei mit den anderen schon aufgeräumt und Ludlow nur noch ein Berserker auf Zeit. Den Spannungskern von „Street Kings“ bildet die Frage, ob das Propaganda ist, ob Ludlow mit seiner Keine-Gefangenen-Attitüde vielleicht eher einen Vorausblick aufs Kommende liefert, auf eine Polizei als Verbrannte-Erde-Trupp.

Die Geschichte zu „Street Kings“ stammt von Krimiautor James Ellroy, dessen Romane die Polizei noch nie als klares Spiegelbild einer biederen Zivilgesellschaft gezeigt haben. Ellroys Los Angeles ist die Pest und die Polizei eine von vielen Beulen. Auch David Ayer hat als Drehbuchautor von „Training Day“ schon von korrupten Cops erzählt, aber die Zusammenarbeit mit Ellroy ergibt einen eher halbstark einschüchterungswilligen als beeindruckenden Film.

Die Vorbilder sind mannigfaltig, sie reichen von Sidney Lumets „Serpico“ (1973) bis zur aktuellen TVSerie „The Shield“. Aber wo dort von kranken Systemen erzählt wird, von einem vielfältigen Anpassungsdruck, von der allgemeinen Werteerosion, richtet „Street Kings“ seinen Blick vor allem auf die Einzelkämpferfigur Ludlow. Schafft er’s oder schafft er’s nicht, fragt Ayer, im Kreuzfeuer von Gangs und Dienstaufsicht. Und je länger wir mit Ludlow bangen sollen, desto einverständiger wird ihr rabiates Handeln zum kleinsten Übel in einer aus Ludlows Perspektive wahrgenommenen Welt erklärt.

Keanu Reeves den Ludlow spielen zu lassen, war kein Glücksgriff. Reeves blickt zwar angemessen finster drein, als empfinde er jeden wachen Moment als Teil eines Duells und Schlaf als nervenzerrendes Risiko, doch bald gerät ihm diese Besessenheit zur Karikatur. Am Anfang soll uns Ludlow als Produkt einer unglaublich harten Stadt gezeigt werden, aber nach ein paar Minuten hätten die Figuren aus Ellroys Romanen allenfalls noch ein Wort für ihn: „Filmcop“.


 
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