Dokumentation "Der entsorgte Vater": Rache eines abgeschobenen Mannes
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 11.06.2009 - 10:39(RP). Wenn sich Eltern trennen, dann beginnen oft genug Kämpfe um das Sorge- und das Umgangsrecht. Und oft genug müssen Väter dann ohne ihre Kinder auskommen. Der Regisseur Douglas Wolfsperger gehört zu jenen Männern, die gerne weiterhin eine Vaterrolle im Leben ihres Kindes spielen würden, dies aber nicht dürfen. Die Mutter, sagt Wolfsperger, entziehe und entfremde ihm das Kind.
Aus dieser Erfahrung heraus könnte er verschiedene Dokumentationen drehen. Einen Selbstbeobachtungsfilm, der sehr subjektiv darlegt, wie es ihm persönlich geht. Oder die journalistische Betrachtung eines gesellschaftlichen Phänomens, die viele verschiedene Erfahrungen kombiniert.
In "Der entsorgte Vater" versucht Wolfsperger beides auf einmal – und tut sich damit keinen Gefallen. Wenn er sich selbst in Momenten der Verzweiflung filmt, verdient er gewiss Mitempfinden. Aber man merkt bald, dass er auch alle anderen Väter, denen die Mütter den Umgang mit den Kindern verweigern, als Abspaltung seiner selbst vorstellt. Da wird nicht hinterfragt, gezweifelt oder untersucht, wie es so weit kommen konnte. Da wird nur Anklage um Anklage gegen die bösen Mütter vorgebracht, die hier manchmal als vorsätzlich sadistische Rachejunkies erscheinen.
Vielleicht ginge selbst das noch als Beschreibung subjektiven Empfindens an. Aber Wolfsperger verliert alle Distanz dem eigenen Dilemma gegenüber. Er zeigt (oder stellt nach), wie er sich ein falsches Bärtchen anklebt und zum Schulhof seiner Tochter schleicht, um von einem Bänkchen aus sein Kind zu beobachten. Ihm scheint entweder nicht aufgefallen zu sein, dass er wie die Comedy-Variante eines Sittenstrolchs wirkt, oder ihm verrutscht ein selbstironischer Schlenker ins Groteske.
Dass der Regisseur nach einiger Zeit des Männerreigens eine Frau zu Wort kommen lässt, scheint zunächst eine Erleichterung. Aber diese Mutter, die nun ihre Seite des Konflikts darstellt, aber keinem der Väter im Film zuzuordnen ist, dient eher als Konkretisierung des Feindbilds. Wolfsperger merkt nicht, was die Verhältnisse – mehrere Männer, eine Frau – symbolisiert. Frauen wird qua Montage die differenzierte, individuelle Erfahrung abgesprochen: Kennt man eine in diesen Umgangsstreitigkeiten, kennt man alle. Kein Zweifel, hier wartet ein wichtiges Thema auf den Film, der Wolfsperger nicht gelungen ist.
Bewertung: 1 von 5 Sternen
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