Film-Kritik: Ralf Königs Lysistrata: Krieger mit Hormonstau
zuletzt aktualisiert: 13.12.2004 - 14:33Nach Drehschluss bleiben bei einer Filmproduktion immer jede Menge Requisiten übrig. Bei der Kino-Adaption von Ralf Königs Comic "Lysistrata" war das ein Haufen Dildos - Hilfsmittel für einen Großteil des Films, in dem die Männer mit zwar verhülltem, aber erigiertem Penis herumlaufen. Das ist dann aber auch schon das einzig Erhabene an diesem Streifen, der weit hinter der Vorlage zurück bleibt.
Urheber der Geschichte "Lysistrata" ist der griechische Komödiendichter Aristophanes, der das Werk 411 verfasst haben soll. Auf die Idee, aus der Komödie einen Comic zu machen, kam König nach dem Besuch eines Schülertheaters in Dortmund. "Es war das erste Mal, dass ich diese Story sah. Ich fand das so derb, gerade für ein Schülertheater, dass die ganzen Jungs da plötzlich mit irgendwelchen Gummipimmeln standen und am Leiden waren", sagt er.
Die Handlung des Films ist schnell erzählt: Im Jahr 411 vor Christus beschließen die Frauen in Athen, sich ihren Männern zu verweigern, umso endlich ein Ende des seit 30 Jahren andauernden Krieges gegen Sparta zu erzwingen. Das Projekt geht sprichwörtlich in die Hose: Die Männer wenden sich unter Hormondruck dem eigenen Geschlecht zu, unterstützt von der schwulen Gemeinschaft Athens vereinen sich schließlich gar Spartaner und Athener im homosexuellen Liebesspiel.
Langeweile und längliche Beulen
Was im König-Comic lustig zu erleben ist, wird auf der Leinwand zu einer eher langweiligen Farce. Tumbe Männer ziehen entweder in den Krieg oder über ihre Frauen her, als die nicht mehr zur Verfügung stehen, bilden sich - mangels natürlicher Spannkraft von Dildos aus dem Sexshop nachgebildet - unter ihren Gewändern längliche Beulen, die am Gehen hindern. Die Frauen bedienen alle gängigen Filmklischees, sind entweder schlank und schlau oder dick und doof.
Möglicherweise hätte es den Film gerettet, wenn König bei den Dreharbeiten dabei gewesen wäre. Aristophanes habe "eine kluge Komödie geschrieben. Einfach mal diesen Gedanken auszuspielen, was denn nun wäre, wenn die Frauen sich zusammentäten, wenn die Frauen sich endlich mal ihrer Macht bewusst wären und sie auch nutzten", sieht König nämlich durchaus konkrete Ansätze in der historischen Vorlage.
Der spanische Regisseur Francesc Bellmunt verzichtete jedoch auf Königs Dienste, beließ es beim hormonellen Wechselspiel und war sich nicht einmal dafür zu schade, die Schwulen im Film als dämlich lächelnde Tunten darzustellen. Für die deutsche Synchronisation wurden bekannte Akteure wie Lilo Wanders, Monty Arnold und Peer Augustinski gewonnen, doch das macht den Film nicht viel besser.
"Lysistrata" wurde bereits 2002 in Spanien fertig gestellt und gezeigt. Dass er erst in diesem Jahr in die deutschen Kinos kommt, ist dem Verleiher Kinowelt geschuldet, der in der Zwischenzeit in die Insolvenz ging und sich erst wieder neu positionieren musste. Es wäre aber nicht schlimm gewesen, wenn der Film in Spanien geblieben wäre.
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