Kino-Kritik: Rambo gewinnt immer
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 14.02.2008 - 09:09Düsseldorf (RP). Kaum ein Schauspieler wird so auf einzelne Filmfiguren reduziert wie Sylvester Stallone. Dreimal verkörperte er die Kampfmaschine John Rambo, fünf Mal den Boxer Rocky Balboa. Doch das war in den 70er und 80er Jahren, und so löste der inzwischen 61-jährige Stallone vor geraumer Zeit mit seiner Ankündigung, einen sechsten Rocky- sowie einen vierten Rambo-Film zu drehen, bei den einen Verblüffung und bei den anderen Kopfschütteln aus.
Stallone ließ sich aber nicht beirren, verfasste die Drehbücher, setzte sich selbst auf den Regiestuhl und fuhr schließlich den ersten Lohn ein. Der rührend nostalgische, ja bisweilen altersweise „Rocky Balboa“ war vor gut einem Jahr ein bemerkenswerter Erfolg an den Kinokassen und wurde selbst von der Kritik positiv aufgenommen. Skepsis war allerdings bei „John Rambo“ durchaus angebracht.
Zwar gilt der erste Rambo- Film immer noch als kleiner Klassiker, aber durch die stumpfsinnigen Fortsetzungen hatte man das fast schon vergessen. Doch Stallone präsentiert mit dem vierten Teil eine ebenso große Überraschung, einen knackig kurzweiligen, aber auch brachial brutalen Actionreißer, der deswegen nichts für zartbesaitete Gemüter ist. So sehen wir nun den in die Jahre gekommenen Rambo, der seinen Lebensabend in Thailand als Skipper und Schlangenfänger bestreitet und in Abwesenheit eines Colonel Trautman zur eigenen Vaterfigur geworden ist.
Gewohnt wortkarg ist der Einzelgänger immer noch, und wenn er was sagt, dann klingt das zynisch. So stößt er auch eine Gruppe amerikanischer Missionare sarkastisch vor den Kopf, die ihn darum bitten, sie mit dem Boot ins benachbarte, vom Bürgerkrieg gebeutelte Burma zu bringen. Natürlich lässt sich Rambo überreden, und natürlich landen die armen Weltverbesserer in den Käfigen sadistischer Soldaten. Dass Rambo schließlich mit Pfeil, Bogen und Messer zur Befreiung schreitet und mal wieder die Statistenliste dezimiert, ist denn auch die logische Folge.
Sicherlich, die Story ist simpel. Aber wer von einem derartigen Film tiefsinnige Dialoge oder Charakterporträts erwartet, ist ohnehin im falschen Film. Dafür ist „John Rambo“ ein Actionfilm, wie man ihn so lange nicht mehr gesehen hat. Einer der altmodischen grundsoliden Sorte, in dem die Stunts, Schusswechsel und Explosionen handgemacht sind, und man staunt, wie viel Leinwandpräsenz Stallone trotz einiger Kilos mehr noch an den Tag legt.
Überhaupt, mit dem ewigen Spruch, dass er ein schlechter Schauspieler sei, sollte auch mal aufgeräumt werden. Dass er es kann, zeigte er vor allem 1997 in „Cop Land“. Für seine Rolle als übergewichtiger aufbegehrender Sheriff einer von korrupten Polizisten bewohnten Kleinstadt nahm er es damals darstellerisch locker mit gestandenen Größen wie Robert De Niro und Harvey Keitel auf.
Wer aber den sanften „Rocky Balboa“ schön sentimental fand, wird in „John Rambo“ nichts ähnliches finden. Denn im Grunde sind diese beiden Figuren spiegelverkehrt. Die Rocky-Filme handeln davon, den Sieg selbst in der Niederlage zu finden. Da ist es gleichgültig, ob Balboa gewinnt oder verliert. Rambo- Filme handeln vom Gegenteil, von der Niederlage im Siegen. Diese Ein-Mann-Armee gewinnt immer, aber es zählt nie und die Welt bleibt am Ende so furchtbar wie sie war. Immerhin gestattet Stallone seinem frustrierten Helden diesmal ein kleines Aufatmen.
Mit dem Rucksack wandert Rambo in den letzten Szenen über einen amerikanischen Highway, bis er schließlich vor dem Briefkasten einer Farm innehält, auf dem sein eigener Name steht. Doch diese Heimkehr ist weniger Triumph als vielmehr Rückkehr an den Ausgangspunkt: „John Rambo“ endet da, wo 1982 der erste Rambo-Film begann.
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