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Film-Kritik: Ray: Wein, Weib und Gesang

zuletzt aktualisiert: 30.12.2004 - 14:41

Er schrieb Evergreens wie "Georgia on my Mind" und "Hit the Road Jack", seine Single "I've got a Woman" begründete das Genre des Soul: Ray Charles ist unvergessen. Just ein halbes Jahr nach seinem Tod kommt mit dem Hollywood-Drama "Ray" sein bewegtes Leben in die Kinos.

"Ray" - das ist die Geschichte von Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Und es ist die Geschichte eines Mannes, der sich in den 30er Jahren in einen Bus von Florida nach Seattle setzt, um sich in miesen Pinten als Musiker durchzuschlagen. Schon bei der ersten Gagenverhandlung wird er abgezockt, die Mädels gehen mit anderen Jungs nach Hause, und Glück ist etwas, das man sich per Spritze in die Blutbahn jagt.

Ray Charles, glänzend gespielt von Jamie Foxx, lernt schnell: Wenn er sich die Gage in Ein-Dollar-Noten auszahlen lässt, kann er sie trotz fehlenden Augenlichts nachzählen. Und wer den passenden Groove hat, bringt massenweise Damenunterleibe in Schwung. Es folgt ein kometenhafter Aufstieg: Charles wird von dem legendären Atlantic-Boss Ahmed Ertegun unter Vertrag genommen, schreibt Hit um Hit, bis ihn der Staat Georgia von 18 Jahren Auftrittsverbot befreit - und "Georgia on my Mind" zur offiziellen Hymne erklärt.

Der Film zeichnet die wichtigsten Etappen der Ausnahme-Karriere nach. "Ray" bemüht sich um eine dokumentarische Distanz und schildert den Künstler nicht als einen makellosen Helden, sondern zeigt ihn als Ehebrecher, zwischenzeitliches Drogenwrack und schlitzohrigen Geschäftsmann.

Die historischen Begebenheiten hat man freilich dramaturgisch überzeichnet: So erscheint es unplausibel, Ray Charles habe die entscheidende Hook-Line von "Hit the Road Jack" während einer Eifersuchtsattacke seiner Background-Sängerin Margie Hendricks (Regina King) erdacht. Und dass er deshalb erblindete, weil er als Kind den Tod seines Bruders mit ansehen musste, ist eine Legende, die Charles selbst immer wieder verbreitet hat. Diese Story kommt in Hollywood natürlich bestens an - traumartige Rückblenden in die Kindheit geraten erwartungsgemäß kitschig.

Das sind aber Schwächen, die man "Ray" nachsehen kann. Schon jetzt gilt der Film als ein sicherer Anwärter auf den ein oder anderen Oscar. Es ist vor allem Hauptdarsteller Jamie Foxx, der durch sein einfühlsames und facettenreiches Spiel die Geschichte erlebbar macht. Das Pianospiel, die Stimme, die eckigen Bewegungen - man könnte glatt vergessen, dass es nicht Ray Charles höchstpersönlich ist, der da in die Tasten haut. Ray Charles hat den 15 Jahre währenden Schaffungsprozess höchstpersönlich begleitet und soll vom Ergebnis beeindruckt gewesen sein: "Yeah, so war es."

Quelle: afp

 
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