"Lieber verliebt" mit Catherine Zeta-Jones: Reifeprüfung für den Babysitter
VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 31.12.2009 - 20:00(RP). In "Lieber verliebt" spielt Catherine Zeta-Jones eine alleinerziehende Mutter, die sich in den 25 Jahre jüngeren Babysitter ihrer Kinder verliebt. Obwohl den Film am Ende die Klischees einholen, erzählt Bart Freundlich doch schwungvoll von der Liebe zwischen älterer Frau und jüngerem Mann.
So ganz hat die Zähmung dieser Sandy zur braven Gattin, Hausfrau und Mutter wohl nicht geklappt. Der Wutschrei, mit dem sie auf die entdeckte Untreue ihres Mannes reagiert, die rabiaten Flüche, mit denen sie ihn und seine Geliebte überschüttet, und die Energie, mit der sie in ein neues Leben aufbricht, lassen vermuten: Diese Frau flieht nicht nur vor einer schmerzlichen Enttäuschung, sondern auch vor der Langeweile eines viel zu lang ertragenen goldenen Käfigs.
Liebe ist keine Frage des Altersunterschieds
Ihre beiden Kinder protestieren freilich gegen den jähen Umzug aus einer komfortablen Vorort-Villa nach New York – denn in Manhattan, so haben sie gehört, wohnen nur Verrückte, Kriminelle und "Minderheiten". Aber bald werden sie mitgerissen von dem Elan, mit dem sich ihre Mutter dort einrichtet. Sie findet eine Wohnung, einen Job und obendrein einen jungen Babysitter, der zum besten Spielkameraden ihrer Kinder wird – und bald auch ihr Liebhaber.
Ihre burschikose Freundin preist bei einer Begegnung auf der Straße lauthals die körperlichen Vorzüge dieses ihr noch unbekannten jungen Mannes. Doch auf die Entdeckung, dass die 40-jährige Sandy mit diesem 25 Jahre jungen Aram das Bett teilt, reagiert sie schockiert. Sie hofft, dass diese Affäre nur ein kurzes Zwischenspiel bleibt.
Bart Freundlich, der Autor und Regisseur von "Lieber verliebt", beteuert entwaffnend schlicht, dass er die Filme von Woody Allen liebe sowie "Die Reifeprüfung" von Mike Nichols. Das New York, das er zeigt, ist so romantisch wie in Woody Allens schönsten Filmen. Wenn im nächsten Coffeeshop junge Männer mit College-Diplom den Kaffee ausschenken und sich ohne weiteres als Babysitter engagieren lassen, schmelzen die Vorurteile verwöhnter Vorort-Kinder gegen das Leben im Stadtzentrum schnell dahin. Woody Allens Dialogwitz erreicht Bart Freundlich zwar nicht, doch die Außenaufnahmen von New York sind atmosphärisch ähnlich dicht wie bei seinem Vorbild. Und dass Freundlich als Modell für seine Geschichte einen Klassiker wie "Die Reifeprüfung" aus den fernen 1960er Jahren nennt, deutet halt auch an, wie selten eine Liebesromanze zwischen einem jungen Mann und einer wesentlich älteren Frau als Komödienstoff bis heute geblieben ist.
Reifes Talent auch als Alleinerziehende
Die Heldin ist hier allerdings nicht eine frivol kühle Femme fatale wie einst Anne Bancroft, die ihre Liaison mit dem jungen Dustin Hoffman als sündiges Laster geheimhielt und dafür bitter büßen musste. Die Sandy in Freundlichs Film ist dagegen Catherine Zeta-Jones, und die hat auch als reife Alleinerziehende ihr Talent nicht verloren, Temperamentausbrüche mit jugendlichem Feuer zu genießen. Den Frust ihrer Ehejahre arbeitet sie mit verstörend harten Fußtritten in einem Selbstverteidigungskurs ab, die Begeisterung für ihren Champion in einem Boxkampf mit martialischem Geschrei und die Wut über ein missglücktes Date mit einem so hemmungslosen Besäufnis, dass die Kinder am nächsten Morgen ihren Babysitter ans Bett der vermeintlich Todkranken rufen.
Anders als einst Anne Bancroft im Vorort-Milieu der "Reifeprüfung" versucht diese Sandy im New York der Gegenwart ihre Affäre nicht geheim zu halten. Sie kämpft darum, dass der junge Aram als ihr Partner anerkannt wird. Schließlich verkörpert Justin Bartha diesen Aram mit so viel Witz und Charme und kokettiert Zeta-Jones mit ihrem höheren Alter so gekonnt, dass eine dauerhafte Beziehung zwischen den beiden als die natürlichste Sache der Welt erscheint. Doch ausgerechnet Arams Freundschaft mit ihren beiden Kindern wird zum Auslöser, der die Zweifel der Umwelt an dieser Partnerschaft auch auf Sandy überträgt.
Penetranter Charme - doch das ist OK
Aram lebt immer noch bei seinen schrulligen Eltern (mit Art Garfunkel, der einst mit Simon die Musik zur "Reifeprüfung" machte, als dem Vater) und liebt Harry Potter als Bettlektüre: Versteht er sich etwa nur deshalb so gut mit Kindern, weil er selbst ein Kind geblieben ist? Dass Sandy die Romanze aufkündigt, wirkt schmerzhaft folgerichtig. Ein späteres Happy End ist reichlich klischeehaft angeklebt, wie so viele Details in diesem Film.
Doch der Charme der Darsteller und das Spiel mit realistischen Versatzstücken funktionieren so gut, dass "Lieber verliebt" – trotz einiger penetranter Ausrutscher in Fäkal-Humor – ein stimmungsvolles modernes Märchen bleibt.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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