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Letztes Werk des verstorbenen Regisseurs: "Robert Altman’s Last Radio Show" - gelassener Abschied

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 12.04.2007 - 16:11

Düsseldorf (RP). Regisseur Robert Altman, der im vergangenen November verstorben ist, beschwört in seinem letzten Film über das Ende einer altmodischen Radioshow ein nostalgisches Amerika - und lässt es ohne Bitterkeit untergehen.

Szene aus "Robert Altman’s Last Radio Show".  Foto: Kool
Szene aus "Robert Altman’s Last Radio Show". Foto: Kool

Es ist der letzte Abend einer live aufgezeichneten Radioshow, die Jahrzehnte nach dem Aus für ihre Konkurrentinnen noch immer durch Amerikas Äther säuselt wie das freundliche Gespenst einer Urgroßmutter, die ihre Nachfahren behüten will. Für einen der Country-Sänger ( L. Q. Jones) wird es die allerletzte Show, er stirbt einen sanften Tod in der Garderobe.

Regisseur Robert Altman lässt Virginia Madsen im weißen Trenchcoat als sachten Todesengel durch die Arbeitsräume des Fitzgerald Theatre in St. Paul, Minnesota, wandeln und den Sterbenden weniger aus dem Leben reißen als von der Arbeit abholen. „Robert Altman’s Last Radio Show“, der letzte Film des vergangenen November verstorbenen Meisterregisseurs, handelt von Ende und Abschied, Epochenumbruch und Zeitenwandel, Schwund und Verlust. Aber er verzichtet auf bittere Anklage, aggressive Lückenbeschreibung, klammernde Trauer. Der Film feiert, genießt und analysiert noch einmal das, was war und nicht mehr sein wird.

Das hat nichts mit Kleinmut zu tun, mit der galligen Einsicht, allein zu sein mit der Liebe zum Alten, sondern mit Stolz. Altmans melancholische Komödie ist dabei alles andere als rührselig. Sie ist doppelbödig, (selbst)ironisch, widersprüchlich und eingefleischt skeptisch. Im Original heißt sie „A Prairie Home Companion“, wie jene Radioshow, die Garrison Keillor, von dem das Drehbuch stammt, tatsächlich seit dreißig Jahren in Minnesota produziert. Die aber ist eben kein authentischer Überstand aus den goldenen Tagen des Radios, sondern eine Hommage, eine Mischung aus Museum, Parodie und freier Erfindung. Selbst die Werbung im alten Stil, die vom Moderator gesprochen oder gesungen wird, gilt Fantasieprodukten.

Schillernde Ungewissheit

Altman treibt das Spiel mit Realität und Erfindung sogar noch ein bisschen weiter. Zum Dauerprogramm von Keillors „A Prairie Home Companion“ gehört zum Beispiel das Fortsetzungshörspiel um die Abenteuer des Privatdetektivs Guy Noir. Der ist bei Altman keine Erfindung, sondern Teil des Teams, der von Kevin Kline gespielte Sicherheitschef, der sich kleidet, redet und denkt wie ein romantischer harter Kerl aus den Romanen Raymond Chandlers.

Altman hält in schillernder Ungewissheit, welchen Echtheitsgrad, welchen Zitatenanteil, welchen Ironiefaktor die Figuren vor der Kamera ihrem eigenen Treiben zuordnen würden. Wir befinden uns in einer Welt im Kopf oder im Herzen, wo das Erfundene echt wird und die Realität eine Geschichte.

Die Kämpen der Familienunterhaltung von einst, die Schmalz- und Countrybarden - Meryl Streep, Lily Tomlin (Short Cuts), Woody Harrelson (Kaltes Land) und John C. Reilly (Aviator) haben wunderbare Auftritte. Manchmal sind sie ergriffen von ihrem Material und sich selbst, dann wieder zeigt die Kamera, wie sie beim vermeintlich innigen Interpretieren eines Hörerwunschlieds Grimassen des Ekels und des Widerwillens schneiden. Dieses Paradies der Erinnerung kennt Steine, Schlangen und faulendes Fallobst, aber es bleibt vielleicht gerade dadurch Paradies, ein besserer Ort, der uns unfertige Wesen nicht durch Perfektion ausschließt.

Stätte toter Anhäufung

Altman zeigt noch einmal ein Amerika, in dem Werte und Tugenden nicht nur Politikergeschwätz waren. Gewiss, die Bagger stehen schon bereit, um das „Fitzgerald Theatre“ abzureißen. Aus dem Ort lebendiger Versammlung soll eine Stätte toter Anhäufung werden, ein Parkplatz.

Was bleibt, was war, was lohnt, um solche Fragen geht es, frei von Prätention. Altman hängt der Vorstellung an, Filme seien öffentliches Nachdenken über das Leben, und er wählt dafür Bilder, die jeder versteht, ohne dass sich alles gleich zu Ende erklärt. Tapfer und warmherzig nimmt Altman Abschied wie die alten Patriarchen: er segnet jene, die weitermachen.


 
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