Komödie "(500) Days of Summer" von Marc Webb: Romanze in Bruchstücken
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 07:25(RP). Es sind fast ausschließlich ernste Filme, die sich durch eine verschachtelte Erzählweise auszeichnen, und das hat seinen Grund. Bei einem Thriller entsteht Spannung durch das Vorenthalten von Informationen, die erst in Rückblenden verraten werden. Melodramatische Künstlerbiografien zeigen den Protagonisten zuerst als Wrack und erklären dann, aus welcher Höhe er gestürzt ist.
Bei Komödien besteht kein Anlass zum verschachtelten Erzählen, da muss es zügig vorangehen, also von vorn nach hinten und nicht umgekehrt. Billy Wilder hat das begriffen. Rückblenden und Erzählerkommentare gebrauchte er in Thrillern und Melodramen, niemals in Komödien.
Marc Webbs Debütfilm "(500) Days of Summer" krankt zuallererst daran, dass der Regisseur auf Teufel komm raus originell sein will, und da er weder eine aufregende Geschichte noch Wortwitz bieten kann, muss eben die Erzählweise originell sein. Der Gebrauch von Rückblenden ist insofern angemessen, als es sich um ein Break-Up-Movie handelt: eine Beziehungskomödie, die mit dem Ende der Beziehung einsetzt. Da lohnt es, zurückzublicken und zu erforschen, ob das Paar füreinander bestimmt war. Aber der Rückblick ermüdet bald.
Die Liebe ist von Anfang an einseitig. Tom (Joseph Gordon-Levitt), der eigentlich Architekt werden wollte und stattdessen sein Geld als Grußpostkartenzeichner verdient, verliebt sich in die Kollegin Summer (Zooey Deschanel), weil sie seinen Musikgeschmack teilt. Als sie nach 500 Tagen Schluss macht, will Tom das nicht begreifen. Der Zuschauer hat es sofort begriffen und fragt sich, warum hier überhaupt von Schlussmachen die Rede ist. Es hat doch gar nichts angefangen, weder körperlich noch geistig.
Marc Webb liebt das Medium Film, das macht ihn sympathisch. Er spielt nicht nur mit Erzählformen, sondern auch mit Stilrichtungen. Ihm ist – im Zusammenhang mit Toms Tagträumen – eine hinreißende Parodie auf europäische "Kunstfilme" gelungen. Hier ist jemand am Werk, der den Kopf voller Ideen hat und noch nicht so recht weiß, wie er sie umsetzen soll.
Joseph Gordon-Levitt ist eigentlich im ernsten Fach zuhause, davon profitiert der Film. Man glaubt ihm den idealistischen Träumer; man glaubt ihm den Verlierer, der kein Totalversager ist. Dagegen ist Zooey Deschanel die Sorte Schauspielerin, die man bestenfalls in einer Nebenrolle als gute Freundin akzeptiert. Warum ein Mann ihretwegen Liebeskummer empfindet, kann sie nicht verständlich machen.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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