Kino-Biografie: Schicksal einer Flug-Pionierin
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 17.06.2010 - 21:34(RP). Amalie Earhart hieß die Frau, die 1928 als erste Frau den Atlantik überflog. Im Streifen "Amelia" spielt Oscarpreisträgerin Hilary Swank die burschikose Fliegerin allerdings wenig glanzvoll. Auch als Fliegerabenteuer ist der Film eher schwach. Zum Kinostart in den USA blieb das Publikum fern.
Zwei Oscars als beste Hauptdarstellerin, und das innerhalb von fünf Jahren: Hilary Swank müsste eigentlich die Königin von Hollywood sein oder mindestens die Vizekönigin. Von dieser Position ist sie jedoch weit entfernt. In "Boys Don't Cry" (1989) verkörperte sie eine burschikose Frau, die sich als Mann ausgibt und in "Million Dollar Baby" (2004) eine Boxerin. Kaum jemand hätte diese Figuren so überzeugend hinbekommen, aber nach jedem dieser Triumphe stellte sich auch die Frage: Kann Hilary Swank überhaupt anders? Kann sie in weiblicheren Rollen überzeugen? Sie hat es ein paar Mal versucht, war dabei auch nicht schlecht, aber austauschbar.
Tragisches Ende am Himmel
Amalia Earhart
Earhart wurde 1897 im amerikanischen Kansas geboren. Ds Geld für ihre ersten Flugstunden musste sie sich selbst verdienen. 1928 überflog sie als erste Frau in 20 Stunden den Atlantik. 1932 wiederholte sie dies im Alleinflug. Ihre Popularität nutze sie unermüdlich, um für feministische Ziele etwa in der Bildung zu werben. Kurz vor ihrem 40. Geburtstag wollte sie die Erde umrunden. Über dem Pazifik verschwand ihr Flugzeug. 1938 wurde sie für tot erklärt.
Mit der Fliegerinnen-Biografie "Amelia" versucht sie nun, ihre Erfolge als burschikose Frau zu wiederholen und zugleich eine traditionell weibliche Seite zu offenbaren. Sie tut damit niemandem einen Gefallen, weder dem Andenken der legendären Fliegerin noch sich selbst, und erst recht nicht dem Publikum, das nach dem US-Kinostart im Oktober 2009 fernblieb.
Amelia Earhart, die 1932 als erste Frau allein den Atlantik überquert hat und 1937 von einem Flug über den Pazifischen Ozean nicht mehr zurückkehrte, war schon zu Lebzeiten eine Legende – und die Heldin eines Films: Katharine Hepburn spielte in "Christopher Strong" (1933) eine ihr nachempfundene Fliegerin, die sich in einen verheirateten Mann verliebt, von ihm schwanger wird und Selbstmord begeht, indem sie einen Flugzeugabsturz herbeiführt. So etwas wäre der echten Amelia Earhart nie passiert, sie hat ebenso wie Katharine Hepburn eine offene Ehe geführt und blieb bewusst kinderlos.
Die Fliegerin als Exotin im Kino
Bereits bei dieser frühen, inoffiziellen Earhart-Biografie zeigte sich die Weigerung der Unterhaltungsindustrie, eine Fliegerin als strahlende Heldin zu feiern. Earhart wurde schon zu Lebzeiten ein tragisches Ende prophezeit, obwohl sie nicht leichtsinniger flog als ihre männlichen Kollegen. Die Fliegerin blieb eine Exotin im Kino. Ihr waghalsiger Einsatz erschien als das Hobby einer Millionenerbin, nicht als Kampf für eine gute Sache. Im deutschen Film bewährten sich Sybille Schmitz, Marianne Hoppe und einmal sogar Zarah Leander als Heldinnen der Lüfte, und auch bei ihnen erschien das Fliegen als Ausdruck von Luxus, zum Bestaunen, aber nicht zur Nachahmung empfohlen.
Misslungene Atlantiküberquerung
Selbst die Männer der Lüfte haben als Kinohelden ausgedient. Dank der entwickelten Computertechnik kann man Flugszenen simulieren, doch das Publikum verliert den Respekt vor dieser Leistung. In keiner Sekunde von "Amelia" hat man das Gefühl, Hilary Swank oder ihr Double schwebe in Lebensgefahr. Um das Gefühl zu vermitteln, sie fliege tatsächlich über den Ozean, müsste der Film sich Zeit nehmen. Doch die nötige Geduld fehlt ihm. Alles muss schnell gehen, auch eine Atlantiküberquerung. Als Fliegerfilm ist "Amelia" misslungen.
Nicht so schlimm, sollte man meinen. Amelia Earhart war ja auch noch Frauenrechtlerin. Und als zaghaft feministischer Film hat "Amelia" starke Momente. Um Sponsoren zu gewinnen, muss die Fliegerin sich auf Werbeaktionen einlassen, die der Verleger G.P. Putnam (Richard Gere) organisiert. Er legt ihr nahe, sich femininer zu kleiden und ihre Attraktivität herauszustellen, wo es ihr doch nur um das Fliegen geht. Man spürt, dass die beiden Männer, die Amelia lieben – Puttnam und Gene Vidal (Ewan McGregor), der Vater des späteren Bestsellerautors Gore Vidal – zugleich auch ihre Feinde sind. Sie behindern ihre Karriere als Fliegerin und das mit den besten Absichten.
Hilary Swank zeigt sich zu scheu
Am meisten behindert wird Amelia jedoch durch ihre Interpretin Hilary Swank, die aus Angst, maskulin zu erscheinen, das Weibchen herauskehrt. Wenn sie einem Mann gegenübersteht, lächelt sie scheu. Und über den Wolken wird sie zur Dichterin. Was sie da von sich gibt, klingt allerdings nicht nach Emily Dickinson, sondern eher nach Rosamunde Pilcher.
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