Drama "The Dust of Time" von Theodoros Angelopoulos: Schwermütige Reise durch die Zeit
VON BIRTE LÜDEKING - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009 - 09:12(RP). Die Mammutwerke von Theodoros Angelopoulos sind eine Herausforderung. Manche sehen in ihnen eher eine Zumutung. Die griechische Regielegende ist berüchtigt für ihre bedeutungsschweren, symbolstarken Epen, die oft in langen Einstellungen verschachtelte Geschichten erzählen, die ihrer ganz eigenen Logik folgen. Einige bejubeln die ausgiebigen Kamerafahrten als große Kunst, andere empfinden dabei hingegen gepflegte Langeweile.
Seine Filmfiguren sind Exilanten, Heimatlose und ewig Suchende, die nie ans Ende ihrer Odyssee gelangen. Genauso wenig führt der 74-jährige Regisseur sein Publikum geradewegs von A nach B. In komplizierten Erzähllabyrinthen aus Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fiktion muss es sich meist alleine und ohne roten Faden zurechtfinden. In "The Dust of Time" kann es dabei schnell die Orientierung verlieren.
Angelopoulos' neues Werk ist der zweite Teil seiner Trilogie über das 20. Jahrhundert, die 2004 mit "Trilogie: Die Erde weint" ihren Anfang nahm. Die schwermütige Erzählung vom griechischen Flüchtlingskind Eleni ist bei uns nie in die Kinos gekommen, sondern lief ausschließlich auf der Berlinale und bei Arte. Dieses Manko erschwert dem Zuschauer den ohnehin nicht einfachen Zugang zur sperrigen Fortsetzung, die wiederholt auf den Vorgänger und auf frühere Dramen des Griechen anspielt.
Im aktuellen Film heißen sowohl Mutter als auch Tochter der Hauptfigur Eleni. Ein Regisseur (Willem Dafoe) mit dem bezeichnenden Namen A. dreht als Angelopoulos' Alter Ego in Rom einen Film über das Leben seiner Eltern Eleni und Spyros (Irène Jacob und Michel Piccoli).
Ihre Liebesgeschichte schildert gleichzeitig ein halbes Jahrhundert Weltgeschichte, verläuft auf drei verschiedenen Zeitebenen und erstreckt sich über mehrere Kontinente. Sie beginnt im Zweiten Weltkrieg. Das Paar wird getrennt, Spyros geht in die USA, Eleni landet in einem sibirischen Arbeitslager. In den 70er Jahren verlässt sie die Sowjetunion. Der gemeinsame, in den USA aufgewachsene Sohn flüchtet derweilen nach Kanada, um einem Kriegseinsatz in Vietnam zu entgehen. An der Jahrtausendwende feiert die wiedervereinte Familie Silvester in Berlin. Die Grenze zwischen Lebensgeschichte und Dreharbeiten verschwimmt für den Regisseur immer mehr, die Arbeit an seinem Film gerät ins Stocken.
Auch die Erzählung von "The Dust of Time" kommt – trotz ihrer zahlreichen, häufig chaotischen Zeitsprünge und Ortswechsel – nicht in die Gänge. Die Figuren wirken blass und distanziert, so dass ihr Schicksal nicht berühren will. Die hochkarätige Schauspielerriege muss allzu hölzerne Dialoge aufsagen, die mehr prätentiös als poetisch klingen, und schlafwandelt ansonsten durch Schauplätze, die mitunter so weltfremd ausgestattet sind, als wäre der Regisseur noch immer im vergangenen Jahrtausend zuhause. Auch der Zuschauer verliert sich in den Wirren der Geschichte.
Bewertung: 1 von 5 Sternen
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