Film-Kritik: Sergeant Pepper: Tiger trifft Hund
zuletzt aktualisiert: 20.12.2004 - 16:21Ein einsamer Junge, der sich mit einem sprechenden Hund anfreundet, das ist selbst für einen Kinderfilm nicht gerade originell. Von einer Regisseurin wie Sandra Nettelbeck, die mit der warmherzigen Kochkomödie "Bella Martha" einen der schönsten deutschen Filme der letzten zehn Jahre inszeniert hat, hätte man mehr Einfallsreichtum und Witz erwartet. Ihr erster Ausflug ins Family-Entertainment ist aber leider verunglückt.
Felix (Neal Lennart Thomas) ist ein sonderbarer Sechsjähriger: Von früh bis spät versteckt er sich in einem Tigerkostüm und hört seine Stofftiere sprechen. Das macht seiner Mutter Anna (Johanna Ter Stege) natürlich Sorge. Eines Tages begegnet Felix Sergeant Pepper, einem einsamen Hund, der in Lebensgefahr schwebt seit sein Herrchen ihm eine Villa und sein Vermögen vererbt hat. Corinna (Barbara Auer), die habgierige Tochter des Verstorbenen, und ihr Bruder Simon (Oliver Broumis) wollen das entgangene Erbe zurück und trachten dem Hund nach dem Leben.
Felix und Pepper verstehen sich auf Anhieb. Obwohl Felix' Vater Johnny (Ulrich Thomsen), ein erfolgloser Erfinder und Katzenliebhaber, dagegen ist, nimmt die Familie den Vierbeiner auf. Felix blüht auf, hat er doch nun einen richtigen Freund. Aber Corinna macht den Hund ausfindig und entführt ihn. Felix und seine Schwester Felicia (Carolyn Prein) starten eine Rettungsaktion.
Für den deutschen Film sollte ab sofort ein absolutes Erfinderverbot gelten: Dass es hierzulande so viele weltfremde, tollpatschige Tüftler gibt, die ihre Familien vernachlässigen und unsinnige Dinge wie zum Beispiel Schneemaschinen bauen, mag man kaum glauben. Gerade durfte in Peter Timms Kinderkomödie "Mein Bruder ist ein Hund" ein solcher Typ seine Familie nerven, bei Nettelbeck gibt Ulrich Thomsen nun den Erfinderclown. Und ein Hund, der erbt und deshalb von einem bösen Enterbten gekillt werden soll, jagte auch schon vor einem Jahr in der Kinderklamotte "Vier Freund und vier Pfoten" um die Ecke.
Die 1966 in Hamburg geborene Regisseurin verfällt bei ihrem ersten Kinderfilm in den typischen Anfängerfehler, die Intelligenz des jungen Publikums zu unterschätzen. Clevere, TV-geschulte Kinokids durchschauen heutzutage allzu platte Gut-Böse-Schemata und Anbiederungsversuche sofort.
Immerhin gelingt es der Regie in den Therapie-Duellen zwischen Felix und dem kuriosen Psychiater Dr. Theobald, cool gespielt von August Zirner, einige hintergründig-ironische Glanzlichter zu setzen. Auch der typenwidrig besetzten Barbara Auer merkt man die Lust daran an, endlich einmal herzhaft böse sein zu dürfen. Das größte Kapital des ansonsten wenig unterhaltsamen Lustspiels ist aber der erfrischend natürlich spielende Neal Lennart Thomas, der als eigenwilliger Außenseiter die Sympathien rasch auf sich zieht.
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