Das Ungeheuer als Märchenprinz: Shrek 2: Der rotzgrüne Frechling kehrt zurück
zuletzt aktualisiert: 28.06.2004 - 09:34Einfach nur ein Happy End à la Hollywood und den üblichen Friede-Freude-Eierkuchen Ausklang lassen die Macher des Trickfilms "Shrek 2" nicht gelten. Der Märchenfilm ist eine krachende Parodie und führt die Erfolgsgeschichte aus dem Jahr 2001 witzig weiter.
Die Dreamworks-Studios gönnten ihrem netten, grünen Ungeheuer Shrek und seiner Prinzessin Fiona die angekündigte Zweisamkeit im heimatlichen Sumpf nämlich nicht. Und der noch ungeheuerlichere Erfolg dieser Fortsetzung an amerikanischen Kinokassen lässt bereits eine ganze Shrek-Serie erahnen. Dabei ist die Handlung, im Gegensatz zum innovativen "Shrek" Nummer eins, erwartungsgemäß dünn. Denn in "Shrek" wurde schon ganze Spott-Arbeit geleistet: Alle Drachen und Diktatoren sind besiegt, das meiste Grimmsche Märchenpersonal durch den Kakao gezogen, und Shrek, der Oger - laut Märchenlexikon ein Menschenfresser - glänzend rehabilitiert. So verfielen die Filmemacher auf die bequeme Masche, das eigene Hollywood-Milieu zu bespiegeln: Die Märchenfiguren, die im Stil des MAD-Magazins im ersten Film so genüsslich veralbert wurden, sind nur noch Statisten.
Kaum zurückgekehrt von den Flitterwochen, werden Shrek und Gemahlin von Fionas Eltern ins Reich "Weit Weit Weg" eingeladen. Der Name steht in großen Lettern an einem Berghang, und überhaupt ist dieses teure Pflaster, samt "Versachery"-Boutiquen und überlangen Kutschen, eine bloße Karikatur des eitlen Beverly Hills. So nimmt nicht Wunder, dass Fionas königliche Eltern von dem rülpsenden Unhold an der Seite ihrer Tochter nicht begeistert sind. Und auch Fiona, nun Vollzeit-Oger, hatten sie nicht so "vollschlank" in Erinnerung. Eine fiese Fee sät zusätzlich Zwietracht, will sie Fiona doch mit ihrem Sohn "Prince Charming" verkuppeln, der sein geföntes Haar so elegant zurückwirft wie Vieri von der italienischen EM-Mannschaft.
Gelegentlich nervt auch diese Hollywood-und Social-Life-Persiflage durch Selbstverliebtheit und dreistes Product-Placement diverser Fast-Food-Ketten. Doch das schwache Handlungskonstrukt ist so randvoll gestopft mit Witzen, dass man sich den Film eigentlich mehrmals anschauen müsste, um alles mitzubekommen. Nichts an dieser Gag-Parade ist noch subversiv, doch das Zwerchfell wird so ausdauernd gekitzelt wie seit langem nicht mehr.
Wermutstropfen Synchronisation
Von der allerersten Sekunde an sieht sich der Zuschauer einem Feuerwerk von Situationskomik, Slapstick, ironischen Dialog-Duellen, gut gelaunten Popkultur-Referenzen und absurden Einfällen ausgesetzt: Ein grandioser Unfug, der nicht nur in dieser Kinosaison seinesgleichen sucht. Die detailverliebte Animation, die rasante Kamerafahrten und schräge Blickwinkel imitiert, ist so perfekt, dass man sie kaum mehr als "Trickfilm" wahrnimmt. Und die meisten Lacher erntet ein Neuzugang, der sogar Shreks "Side-Kick", dem ewig dummbabbelnden Esel, die Schau stiehlt. Mit von der Partie ist jetzt nämlich ein gestiefelter Killer-Kater, der à la Zorro mit dem Degen herumfuchtelt und sich bei Bedarf in eine Miezekatze mit Schlafzimmerblick verwandelt.
Mehr soll nicht verraten werden von dieser haarsträubenden Kreuzung aus Märchenfigur und Filmzitat, die im Original von Antonio Banderas mit rollendem Latino-Akzent gesprochen wird. Benno Fürmann als deutsche Stimme kann leider nicht mithalten, und auch sonst beschleicht einen wieder Mal das dumme Gefühl, dass die deutsche Synchronisation einen Teil des Spaßes unterschlägt - ausgenommen die deutsche Eddie-Murphy-Stimme des Esels, Randolf Kronberg. Doch wo im Original Prominente wie der bräsige Mike Myers, der nörgelige John Cleese und das schwule Timbre von Rupert Everett als "Prince Charming" zu hören sind, da wird hier zu Lande beispielsweise Shrek vom eher ausdrucksarmen Sascha Hehn vertont. Ein kleiner Wermutstropfen in diesem unterhaltsamen Trickfilm, der dennoch Jung und Alt viel Pläsier bereiten wird.
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