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"Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen"
Sie kann zu niemandem Nein sagen

Die schlechtesten Filme seit 1981
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Düsseldorf. So eine ausgeprägte Ich-Schwäche kann einem ruckzuck das Leben ruinieren. Hanna, seit 30 Jahren ichschwach, sieht mit ihren Miniröcken und waghalsig ausgeschnittenen Tops gar nicht danach aus, aber sie kann zu niemandem Nein sagen. Von Renée Wieder

Wenn die Personalchefin wieder einen Angestellten feuern muss, geht sie zum Trost mit ihm ins Bett. Wenn sie von Wildfremden mit einer Schulfreundin verwechselt wird, kommt sie brav mit zum Teetrinken, bis alles auffliegt. Wenn die Eltern fordern, dass Hanna ihrem Bruder Hakim (Mehdi Djaadi), mit dem sie seit Jugendtagen zerstritten ist, eine Niere spendet, ist nicht mal eine Minute Bedenkzeit drin.

Der französische Arthouse-Film "Mademoiselle Hanna und die Kunst, Nein zu sagen" ist ein schönes Beispiel dafür, wie nah Tragik und Komik beieinander liegen können, und dass guten Komödien in der Regel ein ernstes Thema zugrunde liegt. Hanna und ihr Bruder sind als Kinder eines algerischen Migranten und einer Französin in Paris aufgewachsen. Das Gefühl, überall immer nur zur Hälfte hinzugehören, begleitet beide schon ihr Leben lang.

Hakim trotzt der Zerrissenheit mit dem traditionellen Leben eines streng gläubigen Muslims. Hanna aber versucht den provokativ-rebellischen Weg zu gehen, indem sie sich aufreizend kleidet, ein angestrengt freizügiges Sexleben führt und mit jeder Prostituierten an der Straßenecke befreundet ist. Die in Indien geborene Französin Vimala Pons spielt das frisch und charmant und so gnadenlos selbstverständlich, dass die vielen Macken und Ambivalenzen ihrer Heldin vom Fleck weg Sinn machen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Baya Kasmi ist selbst Tochter eines algerischen Moslems und einer Französin, und ihr Film könnte persönlicher gar nicht sein. Man staunt, wie mühelos in diesem Kinodebüt die Dialoge federn, wie witzig Sexszenen tatsächlich sein können und dass einen oft schon der nächste Familienstreit wieder zu Tränen rührt.

Denn unter der Leichtigkeit und dem zärtlichen Humor lastet eine Kindheitstragödie, deren Gewalt aus einem tief verbundenen Geschwisterpaar zwei Fremde gemacht hat, entschlossen, sich in jedem kulturellen und mentalen Aspekt voneinander abzusetzen. Die Aufgabe besteht natürlich darin, die Harmonie wieder herzustellen, denn Familie ist diesen Figuren die einzig mögliche Heimat.

Mal abgesehen davon, dass Hanna irgendwie ihre zwanghafte Nettigkeit ablegen muss. Auch dafür sorgt der Film in einer Weise, zu der man - naja, wirklich schlecht Nein sagen kann.

Quelle: RP
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