Film "Der ganz große Traum": So kam der Fußball nach Deutschland
zuletzt aktualisiert: 23.02.2011 - 14:22Frankfurt/Main (RPO). Zweifellos ist Fußball der beliebteste und erfolgreichste Volkssport der Deutschen. Männer wie Frauen waren mehrmals Weltmeister, die Bundesliga ist ein Milliardengeschäft, und der viel beschworenen Integration tut "König Fußball" auch gut. Wie aber fing alles an? Wie kam der Fußball zu den Deutschen? Diese Frage beantwortet auf unterhaltsame Weise der deutsche Spielfilm "Der ganz große Traum" von Sebastian Grobler.
Mit einer ganzen Reihe bekannter Schauspieler zeigt darin Grobler nach dem Drehbuch von Philip Roth und Johanna Stuttmann, wie und wann der Siegeszug des runden Leders in deutschen Landen begann.
Dazu blendet der Film zurück ins Jahr 1874, drei Jahre zuvor war die Gründung des Deutschen Reichs. Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Lehrer Konrad Koch, der an einem Braunschweiger Gymnasium den Schülern die englische Sprache beibringen soll. Englischunterricht ist für die Zöglinge des Martino-Katharineums eine ganz neue Herausforderung, der sie nur mit deutlichem Widerwillen begegnen.
Doch Koch hat eine Geheimwaffe, die er bei seinem (für den Film erfundenen) Aufenthalt in England, damals unbestrittene Weltmacht, kennen und lieben gelernt hat: Das Fußballspiel. Es gelingt dem engagierten Pädagogen erst einige, dann sogar alle seine Schüler für den bislang völlig unbekannten Sport zu begeistern.
Das allerdings erweckt größten Argwohn bei Kochs Kollegen und auch der Obrigkeit, der Fußball schon deshalb eine fragwürdige Angelegenheit zu sein scheint, weil das Spiel ungeahnte Emotionen freisetzt. Kaum glaublich, aber wahr: Der längst durch und durch kommerzialisierte und perfekt organisierte Volkssport Fußball war in seinen ersten deutschen Kindertagen eine Protestbewegung gegen die obrigkeitshörige Gesellschaft jener Zeit.
Flotte Inszenierung nach guten Vorbildern
Nur von den Drehbuchautoren ausgedacht ist das keineswegs, denn Konrad Koch gab es ebenso wirklich wie dessen Wirken an dem Braunschweiger Gymnasium. Und es sollen auch dessen Schüler gewesen sein, die in jenem Jahr 1874 unter Kochs Leitung das allererste Fußballspiel auf deutschem Boden ausgetragen haben.
Daniel Brühl tritt in dem Film als Konrad Koch auf. Der schöne Brühl wirkt trotz Bart allerdings etwas zu weich und sanft für einen Menschen jener Zeit. Den auch international gefragten deutschen Darsteller kann man sich zudem beim Golfen viel besser als beim Torschuss vorstellen.
Als Schulrektor Merfeld agiert souverän wie immer Burghart Klaußner, in weiteren Rollen sind bekannte Schauspieler wie Thomas Thieme und Axel Prahl zu sehen. Weibliche Rollen sind Mangelware, denn damals und noch sehr lange danach war Fußball ein reiner Männersport.
Natürlich sind in der Handlung auch Konflikte unter den Schülern, im kleinen Lehrerkollegium und auch zwischen verschiedenen sozialen Schichten enthalten. Die Szenen, in denen auf noch etwas ungelenke Weise Fußball gespielt wird, wirken realistisch. Schließlich sind da keine hochtrainierten Profis am Werk, sondern Anfänger im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Runde muss ins Eckige
Sebastian Groblers Kinodebüt in historischer Kulisse - die Schulszenen wurden übrigens im Schlossgymnasium von Wolfenbüttel nahe Braunschweig gedreht - kann meist überzeugen. Gewiss hat Grobler nicht gerade wenig von englischen und amerikanischen Filmen abgeschaut, in denen jugendliche Schüler und ein charismatischer Lehrer im Mittelpunkt das Geschehens stehen. Doch kommt das dem Film zugute, denn er hat ein flottes Tempo und wirkt trotz der vielen wilhelminischen Bärte keineswegs altbacken.
Sein wichtigstes Verdienst ist aber, dass die Fußballnation nach Sönke Wortmanns "Das Wunder von Bern" in Erinnerung an den legendärsten Sieg einer deutschen Elf nun auch im Kino gezeigt bekommt, wie es war, als das Runde hierzulande erstmals ins Eckige geschossen wurde.
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