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  Foto: Schwarz-Weiss (Filmagentinnen)
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Drama "Vergissmichnicht" über eine Frau auf Zeitreise in die Kindheit: Sophie Marceau sucht das Glück

VON RUPERT KOPPOLD - zuletzt aktualisiert: 23.12.2010 - 10:13

(RP). Weit ist Margaret (Sophie Marceau) gekommen, bis in die Chefetagen eines Pariser Konzerns. Aber weit ist es auch mit ihr gekommen, so dass sie den Träumen ihrer Kindheit ganz entwachsen scheint. Im grauen Businesskostüm hetzt sie durch Beton- und Glaspaläste, dominiert cool und kompetent ihre Konferenzen, ist aber stets in Eile, immer gehetzt, mittendrin im falschen Leben. An ihrem 40. Geburtstag steht dann plötzlich ein alter Mann (Michel Duchaussoy) vor ihr, lächelt und überreicht ihr Post.

Es sind Nachrichten aus der Vergangenheit, liebevoll entworfene und im Film collagenhaft animierte Briefe, die Margaret als siebenjähriges Mädchen geschrieben und einem Notar zur Aufbewahrung anvertraut hat. Enthalten sind darin Appelle an sie selber als nunmehr Erwachsene, die wichtigen Dinge nicht zu vergessen. Etwa die idealistischen Pläne von damals oder die großen, eigenwilligen, emanzipatorischen, neugierigen oder künstlerischen Vorbilder wie Marie Curie, Coco Chanel oder Jeanne d'Arc. Zunächst ist Margaret irritiert, will mit sich als Kind nichts mehr zu tun haben und fährt dann doch zurück ins heimatliche Dorf im Süden.

Es wird eine Zeitreise: Die Provinz sieht aus wie ein idealisiertes Folklore-Frankreich, wie ein sonnenbestrahlter und entschleunigter Ort, an dem gelassene alte Männer Boule spielen oder Rosen züchten. Und nun beginnt Margaret zu ahnen, dass ihr das Leben zwar den Erfolg, aber nicht das Glück gebracht hat.

Die Kindheit als Korrekturprogramm für das Erwachsenenleben: In Yann Samuells Inszenierung wirkt das zwar recht nett und sympathisch, letztlich aber zu flauschig-sentimental. Und die beide Welten vereinende Lösung, die der Regisseur für seine Heldin findet, darf man durchaus als faulen Kompromiss bezeichnen.

Trotzdem schaut man dieser Heldin gern zu, wird sie doch von Sophie Marceau gespielt, die in den frühen Achtzigern durch den Film "La Boum – Die Fete" und dessen Fortsetzung zum bekanntesten Teenager Frankreichs wurde. Danach hatte sie dann selber, weil sie diesem Image nur schwer entkommen konnte, große Probleme mit dem Erwachsenwerden.

Nein, Madame Marceau wollte nicht immer an den Teenager Sophie erinnert werden, sondern sich als erwachsene Frau behaupten. Sie spielte schon 1985 an der Seite von Gerard Depardieu in dem düsteren Polizeidrama "Der Bulle von Paris", wälzte sich im Skandalfilm "Liebe und Gewalt" als Prostituierte auf unsauberen Laken herum, spielte 1986, in "Abstieg zur Hölle", gar die Geliebte von Claude Brasseur, der in den Feten-Filmen noch ihren Vater verkörperte!

Als sanfte Prinzessin im Kriegerepos "Braveheart" ist sie 1994 zu sehen, findet 1996 das Unglück als "Anna Karenina", wird in ihren Rollen also immer erwachsener. Wenn ausgerechnet Sophie Marceau in "Vergissmichnicht" nun eine Karrierefrau spielt, die sich am Ende gern zurückerinnert und Ratschläge annimmt, die sie sich als Kind erteilt hat, kann man wohl konstatieren: Sie ist inzwischen so souverän, dass sie auch mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen kann.

Und sie poliert dadurch einen Film auf, der ohne sie sehr seicht geworden wäre.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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