Film-Kritik: Sophie Scholl - Die letzten Tage: Ergreifendes Schicksal
zuletzt aktualisiert: 21.02.2005 - 10:0021 Jahre war Sophie Scholl alt, als sie am 22. Februar 1943 in München hingerichtet wurde. Das Schicksal der jungen Studentin zeigt der neue Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage", gespielt wird die Widerstandskämpferin von Julia Jentsch. Für ihre herausragende Darstellung wurde Jentsch mit dem Silbernen Bären bei den 55. Internationalen Filmfestspielen von Berlin ausgezeichnet.
Künftig wird man sich an das Martyrium der Sophie Scholl nicht mehr erinnern können ohne die Bilder der ergreifenden, ja leuchtenden Intensität, mit der Jentsch eine mädchenhafte junge Frau spielt, die in der extremsten existenziellen Prüfung ihrem Gewissen den Vorrang gab vorm Überleben. Es ist die besondere Qualität des am 24. Februar in die Kinos kommenden Films, diese Sophie Scholl ebenso als lebenslustige, begabte Studentin wie auch als in ihrem Volk verwurzelte, ihrem christlichen Glauben vertrauende Frau vorstellbar zu machen.
Ermöglich wurde diese neue Sicht auf Sophie Scholl durch die Entdeckung der Verhörprotokolle, die bis zum Zusammenbruch der DDR im Zentralen SED-Parteiarchiv gelagert waren. Offenbar hatten die SED-Machthaber keinerlei Interesse daran, die "bürgerliche" Scholl als Persönlichkeit zu zeigen, die der NS-Herrschaft mit großem Mut die Stirn bot. Regisseur Marc Rothemund und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer haben sich in ihrem Film sehr genau an diese nun im Berliner Bundesarchiv deponierten historischen Protokolle gehalten.
Im Gegensatz zu früheren Filmen um die Widerstandsgruppe der Weißen Rose, der Sophie Scholl und ihr ebenfalls hingerichteter Bruder Hans angehörten, konzentriert die jetztige Kinoversion fast ausschließlich auf die Studentin. Das Psychoduell zwischen ihr und dem sie mehrere Tage verhörenden Gestapo-Mann Robert Mohr, den Alexander Held mit düsterer Brillanz darstellt, gehört in seiner Intensität und atmosphärischen Dichte zum Faszinierendsten, was der deutsche Film in den letzten Jahren zu bieten hatte. Ergreifend emotional sind die Schluss-Szenen nach der Aburteilung Sophie Scholls bis zur Hinrichtung am Nachmittag des 22. Februar 1943 unterm Fallbeil im Gefängnis Stadelheim.
"Das Beste gerade jetzt für mein Volk"
"Sophie Scholl - Die letzten Tage" zeigt unter Berufung auf die Verhörprotokolle, dass der von Sophies Idealismus sichtlich beeindruckte Gestapo-Beamte Mohr der Studentin eine Möglichkeit gewiesen hatte, ihr eigenes Leben zu retten. Doch diesen Weg wollte die Tochter eines württembergischen Bürgermeisters, der seine Kinder zu Toleranz und Eigenständigkeit erzogen hatte, nicht gehen. Schon seit Jahrzehnten gilt sie, ebenso ihr Bruder Hans wie auch die anderen ermordeten Mitglieder der studentischen Gruppe Weiße Rose als Heldin des bürgerlichen Widerstands gegen Hitler.
Julia Jentsch findet in jeder Szene des Films stets den richtigen Ton, agiert ohne große Gesten und erschüttert gerade deshalb in dem kurzen Ausbruch tiefer Verzweiflung nach der Verurteilung so sehr. Denn zweifellos ist Sophie Scholl wider Willen zur Märtyrerin geworden. Mit ihren 21 Jahren hätte sie so gerne noch gelebt und könnte ja noch heute leben. Doch in der Stunde tiefster Dunkelheit in Deutschland hat sie sich mit ihren Weggenossen der Weißen Rose entschlossen, das Gewissen einer Nation in einer Situation zu sein, als der Anspruch auf Gewissen mit Todesgefahr verbunden war.
Es wäre eine unzumutbare Verharmlosung und Herabwürdigung des Opfergangs von Sophie Scholl, wenn der Film als hehres Beispiel für Zivilcourage banalisiert und damit seine eigentliche Botschaft entschärft würde, die da ist: Es gab einmal eine junge deutsche Frau, die in der Schlüsselszene ihrer Vernehmung wie des Films ohne falsches Pathos sagte: "Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte." Der Henker hat später bekannt, niemand sei so tapfer und aufrecht in den Tod gegangen wie Sophie Scholl und ihr Bruder Hans. Der Film lässt daran nicht zweifeln.
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