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Kino-Kritik: Spannung Schritt für Schritt

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 23:06

Düsseldorf (RP). An der Eiger-Nordwand sind schon viele gescheitert – nicht nur Bergsteiger, sondern auch so renommierte Hollywood-Regisseure wie Clint Eastwood mit seiner „Eiger Sanction“ (1975). Es ist also bemerkenswert, wenn es einer deutschen Filmproduktion gelingt, den historischen Versuch einer Erstbesteigung dieser 1800 Meter hohen Wand in den Schweizer Alpen so kunstvoll zu schildern, dass die Spannung steigt bis zum schlimmen, Schritt für Schritt sich anbahnenden Ende.

Kletter-Szene aus "Nordwand".  Foto: Majestic
Kletter-Szene aus "Nordwand". Foto: Majestic

Der Regisseur Philipp Stölzl, der seine Karriere mit Musikvideos begann und mit Opern-Inszenierungen fortsetzte, hat aus einem schwachen Drehbuch einen eindrucksvollen Film gemacht. Er hat die Außen- und Studio-Aufnahmen des Kameramanns Kolja Brandt geschickt gemischt und akustisch effektvoll untermalt. Er nutzt die malerischen Kontraste rund um diese herausfordernd mörderische Felswand: ein Grandhotel, von wo mondäne Urlauber die Bergsteiger-Dramen genüsslich verfolgen, und den Tunnel der Jungfraubahn, dessen Querstollen in die Nordwand zu verzweifelten Rettungsversuchen führen.

Die beiden Berliner Hauptdarsteller Benno Führmann und Florian Lukas wirken nur mitunter flau, wenn sie etwa mit typisch deutscher Filmdialog-Schlamperei bayerische Mundart anzudeuten versuchen. Darauf verzichtet zum Glück die aparte Johanna Wokalek, die eine mühsam eingeflochtene Frauenrolle – die Jugendliebe der bayerischen Alpinisten – ansehnlich macht. Ulrich Tukurs Part eines zynischen Berliner Reporters, der nur mit Nazi-Parolen jongliert, wenn’s der Karriere dient, hätte eigentlich gereicht für den Zeitkolorit: Die Berg-Tragödie ereignete sich 1936.

Aber stattdessen werden die beiden Helden als wackere „Heil Hitler“- Gegner eingeführt, ehe sie lässig ihren Berchtesgadener Militärdienst kündigen.

Und am Schweizer Berg begegnen sie zwei österreichischen Konkurrenten, die das Klischee von strammen, dummen Nazis bedienen und unsere bayerischen Fast- Widerstandskämpfer ins Verderben mitreißen.

Stölzl weiß, wie sehr die Nazis Bergsteiger-Dramen als „nibelungenhaften Flirt mit dem Heldentod“ schätzten. Doch „Nordwand“ verschenkt die Chance, die Entwicklung einer NS-Filmkultur aus den „Bergfilmen“ der 1920er und 1930er Jahre wenigstens anzudeuten – Leni Riefenstahls berühmten Weg von Arnold Fancks „Heiligem Berg“ bis zu Hitlers „Triumph des Willens“.


 
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