Kino-Kritik: Spider-Man 3 : Oberflächlicher Bombast
zuletzt aktualisiert: 26.04.2007 - 14:36Berlin (RPO). Comicfan Sam Raimi hat's wieder getan. Zum dritten Mal hat er sich an eine Verfilmung des Erfolgscomics Spiderman gewagt. Mit dem bekannten Stab. Mit einer Prise Humor, viel Action und noch mehr Bombast. Und mit drei Bösewichten, die dem Fim das Wasser abgraben.
Bislang hatte die Begeisterung für den Superhelden dem Regisseur Erfolg nach Erfolg beschert: Seit 2002 spielten seine ersten beiden Verfilmungen der Marvel-Reihe weltweit rund 1,6 Milliarden Euro ein. Beim dritten Teil, der am 1. Mai in Deutschland anläuft, sollte nun alles noch größer, beeindruckender und dramatischer werden. Denn möglicherweise markiert "Spider-Man 3" den Schlusspunkt für das eingespielte Team um Hauptdarsteller Tobey Maguire.
Leider wurde Raimi von seiner Begeisterung aus der Kurve getragen: Das Übermaß an drei Bösewichten ist bezeichnend für den Film, der sich in Bombast und Nebensächlichkeiten verliert und dabei sein Herz auf der Strecke lässt.
Peter Parker, das muss zu Beginn des dritten Teils leider festgestellt werden, ist der Superhelden-Ruhm gehörig zu Kopf gestiegen. Selbstverliebt schwingt er sich durch New Yorks Straßenschluchten, die dank ihm von jeder Kriminalität gesäubert sind und lässt sich von der Bevölkerung feiern. Auch privat scheint mit Peters großen Liebe Mary Jane (Kirsten Dunst) alles bestens zu laufen.
Doch dann bekommt es der fleißige Student gleich mit drei mächtigen Gegnern zu tun. Sein einstmals bester Freund Harry (James Franco) macht Peter noch immer für den Tod seines Vaters verantwortlich und sinnt auf Rache.
Ein scheinbar unbezwingbarer Gegenspieler erwächst Spider-Man in dem flüchtigen Kriminellen Flint Marko alias Sandman (Thomas Haden Church), der aus Millionen Sandkörnern besteht und seine Gestalt beliebig verändern kann. Und dann wäre da noch Eddie Brock (Topher Grace), der Peter zuerst seinen Job als Fotograf bei der Zeitung streitig macht und ihm als bestienhafter Venom nach dem Leben trachtet.
Der größten Herausforderung muss sich Peter aber stellen, als ein mysteriöser Schleim aus dem Weltall sein Spider-Man-Kostüm schwarz färbt und ihm ungeahnte Kräfte beschert. Dabei kommen jedoch auch die dunklen Seiten des Superhelden zum Vorschein.
Tiefere Ebene fehlt
Bei "Spider-Man 2" hatte sich Raimi noch die Zeit genommen, den Bösewicht Octavius (Alfred Molina) in all seiner Jekyll-und-Hyde-Mentalität einzuführen. Diese tiefere Ebene der Geschichte fehlt im dritten Teil leider fast ganz. Anstatt sich neben Harry nur auf Sandman zu konzentrieren, der tatsächlich einen furiosen Gegenspieler abgibt, hechtet der Film von Bösewicht zu Bösewicht und verliert sich in überflüssigen Handlungssträngen.
Angeblich soll "Spider-Man 3" 258 Millionen US-Dollar (190 Millionen Euro) gekostet haben - doppelt so viel wie "Mission: Impossible 2" oder "Fluch der Karibik" - und wäre damit nach der reinen Dollar-Summe der teuerste Film aller Zeiten. Trotz der gewaltigen Kosten fallen einige der computeranimierten Kampfszenen enttäuschend aus. Uneingeschränkt grandios ist den CGI-Tüftlern hingegen die "Geburt" des Sandman geglückt.
Die Zukunft von "Spider-Man" im Kino ist noch ungewiss. Das Studio Sony kündigte bereits an, auf jeden Fall einen vierten Teil drehen zu wollen. Die Hauptdarsteller Maguire und Dunst knüpften ein erneutes Engagement vor allem an die Bedingung, dass Raimi erneut Regie führt. Der hat allerdings nach fünf Jahren mit dem Spinnenmann ein anderes Wunschprojekt im Blick.
Raimi hat Interesse an der Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Roman "Der Hobbit" bekundet, nachdem sich sein "Herr der Ringe"-Kollege Peter Jackson mit dem Studio New Line überworfen hatte.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






