Fußballdrama "Themba": Spiel um ein besseres Leben
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 05.08.2010 - 16:34(RP). "Themba" erzählt vom Aufstieg eines jungen Fußballers, der in einem Dorf in Südafrika aufwächst und sich bis in die Nationalmannschaft emporspielt. Dieses Märchen aber wird von der Krankheit Aids überschattet. Torwart Jens Lehmann spielt eine Nebenrolle als Trainer – und das gar nicht schlecht.
Seinen Fußball schnürt er aus gammeligen Plastiktüten zusammen. Und natürlich haben Themba und seine Freunde keine Stollenschuhe. Mit bloßen Füßen kicken sie querfeldein auf unebenem Gelände oder auf sandigen Plätzen, wann immer der Alltag ihnen Zeit lässt. Oft ist das nicht, denn die Jungs aus einem Dorf am östlichen Kap Südafrikas müssen bei der Feldarbeit mithelfen, Wasser schleppen – und sich manchmal auch noch um die Eltern kümmern. Denn eine Krankheit geht um – auch in den ländlichen Regionen des Landes: Aids.
Knapp einen Monat nach der Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika kommt ein Film in die Kinos, der eine Kontrastgeschichte zu dem glänzenden Profifußball-Großereignis erzählt. Eine Geschichte von armen Menschen auf dem Lande, von unschuldigen Fußballverrückten, die es noch nicht in eine Liga geschafft haben, die einfach begeistert sind von diesem Spiel. Sie sind Straßenfußballer, Hinterhof-kicker, unentdeckte Talente.
Kontrast zum Hochglanzfußball
Der Starttermin für den Film ist klug gewählt, denn noch ist das Welttreffen der Profifußballer mit seinen reichen Stars, den edlen Stadien, den prächtigen Feiern frisch in Erinnerung. Und dieses glamouröse Bild von der Fußball-Elite bildet den unsichtbaren Hintergrund für "Themba". Denn natürlich träumt auch der junge Titelheld davon, Profi zu werden und Tore zu schießen, die von Menschen an den Fernsehern in der ganzen Welt bejubelt werden. Themba übt im Staub vor seiner Hütte, den Ball zu umschmeicheln wie die Spanier. Wenn er mit seinen Freunden herumbalgt, lässt er sich fallen wie Ronaldo oder verteilt Kopf-vor-die-Brust-Stöße wie der große wütende Zidane. Und manchmal hat der einzige Laden im Dorf ein altes Fußballheft im Angebot, in dem die Jungs ihre Idole auf Hochglanzseiten betrachten – und sich selbst an ihre Stelle träumen können.
"Themba" nutzt diese Kontraste, um ein rührendes Märchen zu erzählen: Die Geschichte eines Oliver Twist in Fußballschuhen, eines Jungen, der sich dank seines sportlichen Talents aus der Armut befreien kann. Allerdings bleibt Thembas Aufstieg nicht ungebrochen. Denn die südafrikanische Regisseurin Stefanie Sycholt, die ihr Drehbuch nach einem Jugendroman von Lutz van Dijk geschrieben hat, will nicht nur von der Armut in ihrem Land erzählen, sondern noch von anderen Problemen.
Oliver Twist in Fußballschuhen
So lässt Thembas Mutter ihre Kinder im Stich, weil sie in der Stadt Arbeit suchen muss. Die Kinder bleiben in der Obhut eines dubiosen Onkels, der dem Alkohol verfällt. Und dann stirbt die erste Mutter im Dorf an Aids. Auch Thembas Familie wird von dieser Krankheit betroffen sein.
"Themba" ist ein überaus engagierter Film, der sich durchaus bemüht, seine schweren Themen in eine unterhaltsame Geschichte zu weben. Leider ist das Ergebnis eine arg holzschnittartige Fabel, in der die Rollen von Gut und Böse zu klar verteilt sind, und viele vorhersehbare Wendungen einfach geschehen. Diese Art simplen Moralkinos wäre schwer erträglich, hätte Sycholt in ihrer Heimat nicht so überzeugende Schauspieler gefunden, die ihre Rollen trotz der plakativen Geschichte sensibel, ausdrucksstark und dadurch anrührend spielen. Das gilt genauso für die Kinderdarsteller, die Themba in verschiedenen Altersstufen verkörpern, wie etwa für die Figur des saufenden Stiefvaters oder Thembas Mutter. Beide Darsteller sind in Südafrika bekannt und geschätzt.
Engagiert, aber holzschnittartig
Und dann steht plötzlich auch noch ein deutscher Star am Spielfeldrand: Torwart Jens Lehmann. Im Film ist er ein Jugendtrainer, der Themba für die südafrikanische Nationalmannschaft entdeckt. Lehmann muss spielen, was er kennt, darum gelingt sein Auftritt.
So sympathisch das alles ist, "Themba" gelingt es nicht, einen afrikanischen Blick auf das eigene Land oder auf das große Geschäft mit dem Fußball zu zeigen. Sycholt versucht verkrampft, Hollywood vom Cap zu liefern, eine glatte Geschichte, die zu Tränen rühren soll. So aber irritiert Thembas Schicksal nicht weiter. Er reiht sich ein in die vielen konventionellen Filmerzählungen von Jungen, die sich ein besseres Leben erkämpfen. So bleibt das Gefühl, auch im Film zur WM 2010 nicht wirklich etwas über Afrika erfahren zu haben.
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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