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12 meter ohne kopf warner bros. panorama nur mit film
  Foto: Warner Bros.
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Piraten-Klamauk "Zwölf Meter ohne Kopf": Störtebeker gegen die Pfeffersäcke

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 19:12

(RP). In "Zwölf Meter ohne Kopf" nimmt der 35-jährige Regisseur Sven Taddicken die Geschichte von Freibeuter Klaus Störtebeker aufs Korn. Die Piraten sprechen wie Jugendliche von heute, Kaperfahrten werden mit Popmusik unterlegt. Eine stellenweise amüsante Komödie, die am Ende zu viel will.

Man kann mit diesem Film seinen Spaß haben, man darf ihn allerdings nicht ernst nehmen. Von den sagenhaften Geschichten über den Freibeuter Klaus Störtebeker (etwa 1360 bis 1401) ist in "Zwölf Meter ohne Kopf" nämlich wenig übrig geblieben. Regisseur Sven Taddicken ("Emmas Glück") interessiert neben dem Freiheitsaspekt lediglich der antikapitalistische Impuls am Mythos des auf eigene Rechnung arbeitenden Piraten. Die mächtige Hanse hat er geärgert, und er soll die Beute stets zu gleichen Teilen an seine Mannschaft ausgezahlt haben.

Der Rest der Historie dient nur als Hintergrund, vor dem Schauspieler und Szene-Größen ein Kostümspiel um Freundschaft, Gerechtigkeit und Liebe aufführen. Sänger Achim Reichel übernimmt eine kleine Rolle, außerdem TV-Comedian Simon Gosejohann und Rapper Ferris MC. Sie haben spürbar Spaß an der Sache, allzu oft überschreiten sie jedoch die Grenze zur Albernheit. Sehenswert indes ist Devid Striesow, der Simon von Utrecht spielt, den süffisant lächelnden Gegner Störtebeckers.

Der Film beginnt mit der Hinrichtung des vor Helgoland in Gefangenschaft geratenen Störtebeker. Im Oktober 1401 soll die Enthauptung in Hamburg vollzogen worden sein, aber die Zeit spielt keine Rolle. Die Figuren sprechen wie 20-Jährige im Jahr 2009, ein an Facebook geschultes Kumpel-Rotwelsch von Spät-Erwachsenden. Der Bruch irritiert zunächst, beschleunigt den Film aber und wirkt in Verbindung mit Songs von The Clash, mit denen Schlacht-Szenen unterlegt werden, sogar charmant.

Fluch der Karibik an der Waterkant

In einer langen Rückblende erzählt Taddicken, wie der Robin Hood der Meere auf das Schafott gekommen ist. Sein Störtebeker (Ronald Zehrfeld) ist ein Fall für den Psychiater, ein Sinnsucher und Zauderer; der Volksheld möchte sich lieber zurückziehen. Die Rolle des Draufgängers übernimmt der treue Kumpan Gödeke Michels, den Matthias Schweighöfer spielt, als wäre er der rotwangige Anführer einer Gruppe junger Straßenkämpfer in studentenbewegten Zeiten. Dieser Haudrauf mag das Leben unter Männern nicht aufgeben, er reißt den Freund mit und aus den Träumen von Sesshaftigkeit und Familienvaterschaft heraus. Er will mit dem Schwert voran die Koggen der Pfeffersäcke stürmen und beim Landgang Dampf ablassen. Seine Vitalienbrüder sollen weiterhin Nord- und Ostsee erschrecken. Und wenn dabei irgendwem Gerechtigkeit widerfährt, um so besser.

Das ist amüsant anzusehen, und Alexander Scheer und Milan Peschel sorgen als Piraten-Jäger für komödiantische Höhepunkte. Ihre Figuren richten sie am Vorbild der Ermittler Mulder und Scully aus der Serie "Akte X" aus. Soweit könnte "Zwölf Meter ohne Kopf" als schräger Werbefilm für die Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen durchgehen, als Ausflug zum kurzweiligen Schiffeversenken im großen Becken. Man hat das Gefühl, einem Freundkreis beim jährlichen Bier-Ausflug zuzusehen – "Fluch der Karibik" an der Waterkant. Das wäre in Ordnung. Leider wollen die Macher aber noch mehr.

Auch Piraten brauchen Liebe

Denn da ist eine Liebesgeschichte, die nicht gut ausgeht. Gödeke Michels mag ein Mädchen (Jana Pallaske), es heiratet einen anderen. Das tut ihm weh, obwohl ihm sonst alles egal ist. Damit der Zuschauer die Seelenpein des ansonsten Gefühllosen bemerkt, sind die Spelunken besonders dunkel, wenn die beiden einander begegnen, und der Marktplatz ist auffallend schmutzig. Auf See hingegen strahlt der Himmel so blau, dass man fast betrunken wird. Die folgenden Dialoge zwischen Michels und Störtebeker über die wahren Werte im Leben sollen authentisch klingen, heben sich aber im Tonfall derart stark vom Gros der anderen Szenen ab, dass man lachen muss. Und am Ende hält der von den Häschern fälschlicherweise anstelle von Störtebeker gefangen genommene Michels eine Ansprache an das auf die Hinrichtung wartende Volk, deren Botschaft der Zuschauer ihm einfach nicht mehr abnehmen mag. So dünnt auch der Bezug auf die gegenwärtige Krise der Finanzsysteme, den man dem Film zunächst zugestehen mochte, immer mehr aus.

Die titelgebende Sage wird nicht ins Bild gesetzt. Nach der Enthauptung soll Störtebeker zwölf Meter ohne Kopf gerannt sein, vorbei an elf Kameraden. Man hatte ihm zugesichert, diejenigen freizulassen, die er auf diese Weise erlösen würde. An die Absprache sollen sich die Henker aber nicht gehalten haben.

Wer alles ernst nimmt, wird am Ende oft enttäuscht.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Quelle: RP

 
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