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Subtiler Horror: "Darkness"

zuletzt aktualisiert: 06.10.2003 - 09:49

Der kleine Paul will nachts nicht das Licht ausmachen, was für den Zuschauer

des Horrorfilms "Darkness", durchaus nachvollziehbar ist. Und das, obwohl die üblichen Gruselrequisiten fehlen. In diesem Film ist weniger mehr: Kunstvoll wird das Unheimliche lange Zeit nur angedeutet.

Und wieder einmal ist ein pittoreskes altes Haus, randvoll mit vergangenem Unheil, der Schauplatz eines Genrefilms. Nur ein einziges Mal möchte der gewiefte Kinogänger erleben, dass es in einem Neubau spukt: Doch dann gäbe es ja keine gebrechlichen Stromleitungen, die man für das Flackern des Lichtes verantwortlich machen kann, keine brüchigen Wände, hinter denen ahnungslose Bewohner staubige Indizien ans Tageslicht befördern und keine von ihrem Gewissen gequälte Architekten, die noch im Ruhestand über verhängnisvollen Bauplänen brüten.

Wobei es irgendwie seltsam erscheint, dass die neuen Besitzer der abgeschiedenen kleinen Villa so unwissend hinsichtlich der Haus-Historie sind, denn Familienvater Mark hat es in seiner Kindheit selbst bewohnt. Nun, aus den USA nach Spanien zurückgekehrt, bezieht er es erneut. Seine Teenagertochter Regina (Anna Paquin) bleibt jedoch die Einzige, die Lunte riecht und sich um den kleinen Bruder sorgt, der morgens blutige Kratzer am Hals hat und grausame Bilder malt.

Ihre Mutter Maria, eine vielbeschäftigte Ãrztin, verweigert sich stur Reginas Befürchtungen und will ihre Ruhe bewahren: Denn bei Mark droht wieder eine Geisteskrankheit auszubrechen, die von traumatischen Erinnerungsblitzen ausgelöst wird. Der melancholische Großvater nimmt seine Enkelin auch nicht ernst, und so schnüffelt die junge Frau mit Hilfe ihres Freundes Carlos (der spanische Jungstar Fele Martinez) in Bibliotheken herum, um dem Bösen im trauten Heim auf die Schliche zu kommen.

Schon ab dem suggestiven Vorspann sind die Fronten geklärt in diesem kleinen Genrefilm, der inhaltlich nur eine Abfolge von Déjà-vus aus vielen Schule machenden Psycho- und Horrorthrillern, vor allem aus "Shining", ist. Vorangetrieben wird die Handlung vom üblichen idiotischen Verhalten seiner Darsteller: Wieso etwa verbringt Regina die Nacht alleine im Spukhaus, und wieso sieht keiner genau hin bei dem vergilbten Foto mit seinen blicklosen Gesichtern, das Vater Mark aus dem Keller befördert? Fragen, die man sich in einem Genrefilm natürlich nicht stellen sollte und die angesichts der stilistischen Brillanz des jungen spanischen Regisseurs auch nicht so wichtig sind.

Ein unheimliches Haus steht im Mittelpunkt von "Darkness".  Foto: RPO
Ein unheimliches Haus steht im Mittelpunkt von "Darkness". Foto: RPO

Flackernde Lampen und unheimliches Kichern

Lange lässt Jaume Balaguero den Zuschauer im Zustand gepflegten Vorgrusels unruhig auf dem Kinosessel herumrutschen, zeigt Küchenmesser in Nahaufnahme, flackernde Lampen, und Buntstifte, die unters Bett rollen. Im Zwielicht wird gewispert und gekichert, kindliche Schatten huschen über dämmrige Flure. Die Kamera übernimmt den Blick der Geister und nähert sich von hinten.

So lässt dieses Schauermärchen mit seinen simplen Tricks trotz voraussehbarer Entwicklung ganz schön die Nerven flattern. Einmal mehr überzeugt Anna Paquin, die zuletzt in "X-Men" mitspielte, mit ihrer bedächtig-introvertierten Ausstrahlung: ein Mädchen, das zugleich verletzlich und stark erscheint.

"Darkness" reiht sich ein in die Renaissance des Horrorfilms, wie sie auch in anderen ambitionierten Streifen zum Ausdruck kommt, nimmt das Genre ernst und verzichtet auf überhebliche Ironie. Der "Gore"-Faktor, also das Aufgebot an blutigen Special Effects, bleibt bis zum Schluss minimal, stattdessen wird die Realität beim blutigen Showdown vielmehr mit gruseliger Symbolik überhöht. Schließlich ist Mutter Maria Ãrztin; und auch das billigste Requisit, einen Bleistift, sollte man im Auge behalten.


 
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