"The Good Thief" : Ein Gangster als Genie und Gentleman
zuletzt aktualisiert: 06.10.2003 - 10:01
Viel Glück hat Bob Montagnet in letzter Zeit wirklich nicht gehabt. Der in
Südfrankreich lebende Amerikaner hat seiner Spielleidenschaft fast alles opfern müssen, was er als Meisterdieb an sich gebracht hat. Jetzt besitzt er nur noch ein Picasso-Gemälde, das er einer Wette verdankt. Und beim nächsten Fehltritt droht langjährige Haft.Gegenspieler Roger, Polizeichef von Nizza, und Bob verbindet eine Art Hassliebe, die bald neuen Prüfungen ausgesetzt ist. Welcher Art diese sind, erzählt Neil Jordans neuer Film "The Good Thief", der ab dem 9. Oktober in den Kinos zu sehen ist. Eine nicht geringe Rolle spielt darin die blutjunge Osteuropäerin Anne, die Montagnet aus einer gefährlichen Situation ebenso befreit wie Roger, der von einem algerischen Drogendealer mit der Pistole bedroht wird. Doch der Amerikaner kann mit entschlossenem Handeln Schlimmeres verhindern, hat aber von da an Anne am Hals. Die würde dem alternden Dieb gerne mehr geben als nur ihre Dankbarkeit. Aber der mag sich auf solche Beziehungen so wenig einlassen wie auf neue Raubzüge.
Als er von einem tollkühnen Plan seines Vertrauten Raoul erfährt, reagiert er deshalb anfangs ablehnend: Den Safe des weltberühmten Spiecasinos von Monte Carlo zu knacken, - das erscheint auch einem Vollprofi wie Montagnet ein aussichtsloses Unterfangen. Doch als ihm klar wird, dass es Raoul auf eine ganz andere Beute abgesehen hat, nämlich auf wertvollste Gemälde an den Kasinowänden, erwachen alte Instinkte neu. Die Mitwirkung des exzentrischen Computergenies Vladimir sichert dem beabsichtigten ganz großen Coup auch eine realistische Erfolgschance. Roger allerdings nimmt Witterung von den kommenden Ereignissen auf...
Internationale Besetzung harmoniert bestens
Dem irischen Regisseur und Drehbuchautor Neil Jordan ist mit "The Good Thief" ein kleines Filmjuwel gelungen, das hoffentlich auch an den Kinokassen glänzen wird. Mit dem etwas anderen Hollywoodstar Nick Nolte in der Hauptrolle des Bob Montagnet ist die wichtigste Partie glänzend besetzt, Nolte nimmt man diesen Gangster mit Köpfchen, Herz und Manieren jederzeit ab. Als sein Gegenspieler Roger kann der Franzose Tcheky Karyo dem US-Schwergewicht durchaus standhalten.
Aber noch mehr Eindruck macht die erst 21-jährige Nutsa Khukianidze, eine in den USA lebende Georgierin. Keineswegs eine perfekte Schönheit, bringt sie doch Geheimnis, eine seltsam düstere Erotik und unverbrauchten Charme ins Geschehen. Der jungen Nachwuchsdarstellerin kann eine große Zukunft vorausgesagt werden, wenn sie die richtigen Rollen für ihren ungewöhnlichen Typ erhält und auswählt.
Mit von der Partie ist auch der serbische Filmemacher Emir Kusturica, diesmal als Schauspieler in dem Part des etwas verrückten Computergenies.
Inspirieren ließ sich Jordan zu dem Film von einem frühen Meisterwerk des großen französischen Thriller-Regisseurs Jean-Pierre Melville aus dem Jahr 1955, das in Deutschland unter dem Titel "Drei Uhr nachts" lief. Doch "The Good Thief" ist unabhängig von dem Vorbild ein durchaus origineller Film geworden, der für etliche überraschende Wendungen gut ist. Diese überrumpeln den Betrachter allerdings nicht, sondern schenken ihm ebenso spannende wie intelligente Kinostunden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






