Kino-Kritik: The Inside Man: Mysteriöses in der Bank
zuletzt aktualisiert: 20.03.2006 - 09:20Was tun, wenn ein scheinbar "normaler" Banküberfall sich zu einem Psycho-Thriller erster Güte auswächst? Der New Yorker Detective Keith Frazier jedenfall gerät in einen echten Alptraum. Eine Achterbahn der Gefühle und eine Kette aus myteriösen Ereignissen scheint den Fall nicht zu vereinfachen. Regisseur Spike Lee brachte seinen neuen Film in gänzlich ungewöhnlicher Manie auf die Leinwand.
Für Frazier (Denzel Washington) scheint es zwar zunächst ein Einsatz wie viele andere zu werden. Maskierte Gangster haben an der Wall Street eine Bank überfallen und halten dutzende Menschen gefangen. Uns so spult der Cop, spezialisiert auf Geiselnahmen, sein tiefenpsychologisches Standardrepertoire ab. Doch schnell muss er feststellen, dass der kühl taktierende Anführer der Bande, Dalton Russell (Clive Owen), alles andere als ein Durchschnittkrimineller ist. Fast scheint es sogar, als habe er es mit seiner Flucht gar nicht so eilig.
Gänzlich mysteriös wird der Fall mit dem Auftauchen von Madeline White (Jodie Foster). Die skrupellose Sphinx in High Heels wird von den Mächtigen der Welt zur Wahrung pikanter Affären und schmutziger Geheimnisse ins Feld geschickt. Was sie jedoch im Auftrag des Bankdirektors noch rechtzeitig vor dem Abzug der Gangster aus dem Gebäude retten will, scheint nur Russell zu wissen.
Gesellschaftskritik
Regisseur Spike Lee ist in den vergangenen 30 Jahren mit gesellschaftskritischen Werken wie "Do the Right Thing", "Malcolm X" und "25 Stunden" zum wohl wichtigsten afroamerikanischen Filmemacher avanciert. Im Gegensatz zum künstlerischen stand jedoch der finanzielle Erfolg meist auf einem ganz anderen Blatt.
Zwar mag "Inside Man", die vierte Zusammenarbeit Lees mit Denzel Washington, von Fans als sein kommerziellster Film gebrandmarkt werden. Doch selbst in diesem Genre schafft es Lee, seine Botschaft, wenn auch am Rande, laut und deutlich zu verkünden. Etwa, wenn ein Polizist beim Anblick eines als Bankräuber verdächtigten Inders mit Turban entsetzt ausruft: "Ein Araber!", bevor er ihn brutal zusammenschlägt. Und auch bei dem genial geplanten Banküberfall geht es um eine weitaus reichere Beute, als es zunächst scheint.
Intelligente Vorlage
Doch auch Zuschauer, die nur auf der Suche nach einem gut gemachten Thriller sind, kommen bei "Inside Man" voll auf ihre Kosten. Russell Gewirtz hat mit seinem ersten Drehbuch eine ausgesprochen intelligente Vorlage geliefert, die zwar das Rad nicht neu erfindet, den Zuschauer aber dennoch bei der Stange hält. Mit Washingon und Owen als gar nicht so unterschiedliche Gegenspieler sind die Hauptrollen zudem exzellent besetzt.
Den Glanzpunkt setzt jedoch Jodie Foster, die es schafft, auf schwindelerregenden Absätzen und mit stets verbindlichem Lächeln wahrlich furchteinflößend zu sein. Allein für ihre Darstellung hätte sich Lees Ausflug ins Krimigenre gelohnt. Sie habe schon immer liebend gern mit dem Filmemacher zusammenarbeiten wollen, sagte die zweifache Oscargewinnerin. "Ich habe aber nie geglaubt, dass es klappt, weil ich nicht in seine Geschichten zu passen schien." Und noch ein Plus gab es für Foster: "Ich habe seit sehr langer Zeit niemanden mehr gespielt, der schöne Kleidung und Make-Up trägt."
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