Film-Kritik: The Statement: Das Böse ist unter uns
zuletzt aktualisiert: 20.06.2005 - 10:07Während des Zweiten Weltkrieges werden in der französischen Provinz sieben Juden ermordet. Schuld sind nicht die Nazis, sondern ein kollaborierender Franzose, eingesetzt vom Vichy-Regime. Der junge Offizier wird nach dem Krieg zu Tode verurteilt, doch er kann fliehen. Unbehelligt lebt er, geschützt auch von der katholischen Kirche, weiter. Bis sich ein Killer-Kommando auf seine Fährte begibt...
Als eine jüdische Geheimorganisation zwei Profikiller auf Pierre Brossard (Sir Michael Caine) ansetzt, wird auch die Richterin Annemarie Livi (Tilda Swinton) auf den Flüchtigen aufmerksam. Unterstützt von dem knallharten Colonel Roux (Jeremy Northam) heftet sie sich Brossard an die Fersen. Dabei kommt Livi einem brisanten politischen Komplott auf die Schliche, in den nicht nur ranghohe Kirchenvertreter involviert sind.
Der Thriller "The Statement" basiert auf der gleichnamigen Novelle von Brian Moore. Die fiktive Handlung um den flüchtigen Offizier Brossard will dabei auf das reale Kriegsverbrechen von Rillieux-la-Pape vom 29. Juni 1944 aufmerksam machen. Zugleich gedenkt das Werk den 77 000 französischen Juden, die dem Naziregime zum Opfer fielen. Regisseur Norman Jewison ("Hurricane", 1999) formte aus Moores Vorlage einen Gegenwartsthriller, der den schwierigen Umgang mit französischen Kollaborateuren sowie die bis heute anhaltenden, politischen und gesellschaftlichen Verstrickungen früherer Vichy-Milizen thematisiert.
Als deutsche Truppen 1940 Frankreich besetzten, wurde in Paris das so genannte Vichy-Regime eingesetzt. Drei Jahre später formte diese Regierung eine Miliz, die Befehle der Nazis ausführte. Als der Zweite Weltkrieg endete, wurden viele Offiziere der Vichy-Milizen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen. Manche konnten entkommen. Einige davon gelangten zu Macht. Der Film nimmt auf diese historischen Fakten Bezug, wobei weniger auf zurückliegende Taten als auf gegenwärtige Verstrickungen eingegangen wird.
Die Hauptrollen sind mit Sir Michael Caine, Tilda Swinton und Jeremy Northam prominent besetzt. Besonders Caine überzeugt in der Rolle des in die Jahre gekommenen Kriegsverbrechers. Er gibt den kollaborierenden Vichy-Soldaten nach außen als galanten Senioren, doch innerlich steckt in ihm noch immer ein kaltblütiger und korrupter Kämpfer. Diese Divergenz seiner Persönlichkeit verkörpert der geadelte Brite mit der ihm eigenen Souveränität und Authentizität. "The Statement" ist ein spannender und zugleich nachdenklicher Thriller vor einem brisanten politischen Hintergrund.
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