Komödie "Männerherzen": Til Schweiger im Fitness-Studio
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 08.10.2009 - 08:43(RP). "Männerherzen", der zweite Spielfilm von Simon Verhoeven, ist als Komödie nur Durchschnittsware. Er bietet aber gelungene Charakterstudien und eine starke Besetzung: Til Schweiger, Christian Ulmen und Nadja Uhl spielen unter anderem mit.
Ein Sportstudio, in dem lauter kräftige Männer trainieren, und mittendrin der auffallend unsportliche Günther (Christian Ulmen): Man ahnt, was gleich passiert. Günther wird die Gewalt über seine Hantelstange verlieren und von ihr erdrückt werden. Auf dieser Ebene bewegt sich der Humor von "Männerherzen". Die Gags sind vorhersehbar, man hat irgendwann einmal über sie gelacht, aber jetzt bewirken sie nur noch ein müdes Lächeln.
Simon Verhoeven, der hier nach der Komödie "100 Pro" seinen zweiten Spielfilm vorlegt, mag es weder zotig noch intellektuell. Er mutet seinen Hauptdarstellern kleinere Demütigungen zu: Philip (Maxim Mehmet) zum Beispiel sieht sich aus Geldnot gezwungen, als lebendes Hinweisschild ("300m Pizzeria Adria") in der Fußgängerzone herumzustehen, und liefert sich somit dem Spott seiner Bekannten aus. Prinzipiell tut man dem Film keinen Gefallen, wenn man ihn nach seinen Gags beurteilt.
Wenige Pointen
Dafür sind Verhoeven ein paar interessante Charakterstudien gelungen. Sein Film ist das Porträt von fünf Männern, deren Wege sich im Berliner Studio Fitnessworld kreuzen. Fünf Männer, fünf Typen. Die Grundkonstellation ist auf jeden Fall reizvoll. Als Manko erweist sich das Erfahrungsdefizit des Regisseurs: Simon Verhoeven ist als Sohn von Senta Berger und Michael Verhoeven in der Schicki-Micki-Promiwelt zuhause, und er hat offenbar viele Daily Soaps und Sitcoms gesehen.
Deren Wertvorstellungen werden von ihm unkritisch übernommen. Im wahren Leben hat der Körperbau eines Menschen keinen Einfluss auf seine Beziehungsfähigkeit, doch in der sterilen Kommerz-Welt von Verhoeven muss Günther schüchtern sein und keine Frau abkriegen, nur weil er keinen Waschbrettbauch hat. Dass er als einziger der fünf Männer einen hohen IQ besitzt, betrachtet Verhoeven wohl eher als Defizit, denn mit seinem schwarzen Humor verschreckt Günther die wenigen Frauen, die er kennenlernt. Als gebe es keine Frauen, die abgründigen Witz mögen.
Die Frauen in "Männerherzen" sind dumme Modepüppchen oder nörgelnde Verlobte, während Nadja Uhl, die geistiges Format zeigt, unsexy zurechtgemacht wurde. Verhoeven erträgt offenbar keine überlegene Frau, die einen Mann um den Verstand bringen kann.
Und sein Schwulenbild markiert einen Rückfall in die siebziger Jahre: Der Musikproduzent und Frauenheld Jerome (Til Schweiger) sieht sich gezwungen, mit dem Schnulzensänger Bruce Berger (Christian Ulmen) zusammenzuarbeiten. Über diesen Mann darf herzlich gelacht werden. Doch nicht weil er schlecht singt oder weil ihm witzige Pointen in den Mund gelegt wurden – das ist nicht Verhoevens Stärke – , sondern einzig und allein, weil er schwul ist.
Zur Verteidigung Verhoevens könnte man anführen, dass der weiße heterosexuelle Mann in den letzten Jahrzehnten viel einstecken musste; an allen Ungerechtigkeiten soll er Schuld sein. Da ist es völlig legitim, wenn ein Film Partei für diese diskriminierte Spezies ergreift. Und er bemüht sich auch um ein vielschichtiges Männerbild, stellt Juniorchef und Arbeitslosen, Casanova und Mauerblümchen gegenüber.
Doch keiner dieser Männer ist ein positives Rollenmodell. Keiner von ihnen ist in der Lage, eine Frau als gleichberechtigte Partnerin anzusehen. Jerome verachtet die Frauen, die aus Karrieregründen mit ihm ins Bett gehen. Für den Geschäftsmann Niklas (Florian David Fitz) ist die Verlobte, mit der er bald vor den Traualtar treten soll, ein Störfaktor. Philip freut sich zwar auf das Kind, das seine Freundin erwartet, aber er wirkt völlig überfordert mit der Situation. Der seit einem Fahrgastunfall traumatisierte Zugführer Roland (Wotan Wilke Möhring) neigt sogar zu Gewaltausbrüchen.
Nach diesem Film zu urteilen, ist Verhoeven ein begabter Regisseur, der allerdings noch herausfinden muss, zu was genau er begabt ist. Mit dieser Komödie übernimmt er sich noch, aber wenigstens hat er Einfälle. Man kann seinem Film jedenfalls nicht vorwerfen, dass er lieblos heruntergedreht wurde. Die Misantrophie der Geschichte mag unfreiwillig sein, sie macht "Männerherzen" auf jeden Fall interessanter als die seichten Beziehungskomödien, in deren Tradition der Film auf den ersten Blick steht.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






