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"Till Eulenspiegel" - Sieht aus wie der große Bruder von Pumuckl

zuletzt aktualisiert: 22.09.2003 - 11:00

Frankfurt/Main (rpo). Till Eulenspiegel, der Schelm, der sich auf Kosten von Spießbürgern lustig macht, ist einer der bekanntesten deutschen Sagenhelden, der im ausgehenden Mittelalter geboren wurde. Keine sympathische Figur, aber eine Legende, deren deftige Scherze schadenfrohes Lachen auslöst.

Davon ist im neuen Zeichentrickfilm "Till Eulenspiegel", der am 25. September anläuft, praktisch nichts übrig geblieben. Till Eulenspiegel ist hier ein frecher rothaariger Springinsfeld, der Streiche nur nebenbei verübt und ansonsten die Liste gängiger Abenteuer abhaken muss, die jungen Männern auf ihrem Initiationsritus vom pubertären Tunichtgut zum erwachsenen Mann in Filmen aufgebürdet werden. Dieser 15 Millionen Euro teure Kinderfilm der Münchner Trickfilmschmiede von Eberhard Junkersdorf ("Die furchtlosen Vier", "Tobias Totz und sein Löwe") macht dazu viele Baustellen auf: Till muss seinen verschwundenen Onkel, Zauberer Marcus, finden und drei Rätsel lösen; er muss das Herz von Nele, der aufmüpfigen Tochter des Bürgermeisters von Boomtown-Erobern und den kleinen König retten, dessen böse Tante ihn umbringen will.

Aufklärerische "Political Correctness" wird brav wie im Schulbuch abgedeckt von der emanzipierten Mittelalter-Architektin Nele, die Krankenhäuser und Theater bauen will. Durch häufige Anspielungen auf prassende Verwaltungen, willkürliche Steuern und eine Kamarilla von Hofschranzen gaukelt sie dem kleinen König mit Potemkin'schen Dörfern und "Jubelpersern" ein geordnetes Staatswesen vor. "Lies es von meinen Lippen ab: Keine neuen Steuern", heißt es einmal in Anspielung auf George W. Bushs "read my lips"-Spruch.

Und bei den Mutproben tauchen die unvermeidlichen untoten Skelette auf, die nicht erst seit "Fluch der Karibik" zum Gruselinventar von Kinder- und Jugendfilmen gehören. Ein volles Programm, das um Massenkompatibilität bemüht ist und auch hätte funktionieren können, - wenn Charme und Stil die einzelnen Versatzstücke zusammengeschweißt hätten. Der Verzicht auf historische Hintergründe der Fabel geht jedoch einher mit bloßem Kopieren erprobter Hollywood-Rezepte und mit einer glanzlosen ästhetischen Gestaltung.

Christian Tramitz spricht die Eule Cornelius

Wo zum Beispiel das erfolgreiche Vorbild der Disney-Studios abgeschmackte Storys immerhin mit einer schönen Farbpalette und originellen Details versüßt, bietet "Till Eulenspiegel" einfach zu wenig Augenschmaus. Kein Wunder: So viele Trickfilmstudios hatten dabei europaweit ihre Zeichnerhände und Computer im Spiel, dass nur Einheitspudding übrig bleibt. Immerhin gibt es in "Boomstadt" Fachwerkhäuser und eine Kathedrale, doch die Stadt ist auf einer von allen Seiten von Meer umgebenen Festung erbaut: eine beliebige Fantasy-Kulisse, die auch storytechnisch wenig Sinn macht.

Till Eulenspiegel sieht aus wie der große Bruder von Pumuckl und nicht wie der britische Komiker Lee Evans, der angeblich als Vorbild diente. Akrobatisch turnt er über die Gerüste und durch das Glockenwerk der Kathedrale: Temporeiche Actionszenen, die Realfilmen mit Jackie Chan nachempfunden scheinen, - aber nichts Trickfilmspezifisches bieten.

Eine schöne Überraschung sind die Stimmen, allesamt von deutscher Darstellerprominenz gesprochen. Die Eule Cornelius (Christian Tramitz aus "Schuh des Manitu") mit ihrer tuntigen Anmutung und ein orientalischer Geist, der mit melodiösem Akzent aus einem Zauberspiegel heraus flötet, sind dabei die Highlights. Obwohl Letzterer an Disneys "Aladdin" erinnert, macht der schläfrige Säusler (Rick Kavanian, ebenfalls aus "SdM") am meisten Spaß - besonders wenn er zu schwungvollem indischen Banghra-Pop-Rhythmen rappt. Kaum setzt der Zuschauer jedoch, erfreut über die Abwechslung, zu wippen an, wird der Geist von faden Schlagern à la Grand Prix Eurovision abgelöst.

Ambitionierte, aber durchschnittliche Trickfilmkost, die nur schwer mit den Disney-Knüllern der kommenden Saison mithalten kann.

Till Eulenspiegel - Das Filmplakat.  Foto: RPO
Till Eulenspiegel - Das Filmplakat. Foto: RPO

 
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